Ständchen einer Trachtengruppe für Papst em. Benedikt XVI.
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Pater von Gemmingen bei domradio.de
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16.04.2017

Pater Eberhard von Gemmingen über den deutschen Papst Herzlichen Glückwunsch, Joseph Ratzinger!

Am Ostersonntag vollendet Joseph Ratzinger sein 90. Lebensjahr. domradio.de hat mit jemandem gesprochen, der ihn seit Jahren kennt: Der deutsche Jesuit Pater Eberhard von Gemmingen (SJ). 

domradio.de: Was wünschen Sie Benedikt XVI. zum Geburtstag?

Pater Eberhard von Gemmingen, SJ: Ich wünsche ihm, dass er in Ruhe und Frieden seine letzten Jahre verbringen kann - vor allem in Hoffnung auf ein ewiges Leben und ohne Schmerzen. Sterben müssen wir alle;  aber ich wünsche ihm, dass er bis dahin schmerzlos leben kann.

domradio.de: Sie kennen Joseph Ratzinger schon sehr lange. Wissen Sie noch, wann Sie ihm zum ersten Mal begegnet sind?

von Gemmingen: Ja, das weiß ich sehr genau! Ich habe mein letztes Jahr des Theologiestudiums in Tübingen verbracht. Eine meiner Tanten, die ihn - damals noch Professor Ratzinger in Tübingen -  kannte, hat mich zu ihm zum Teetrinken mitgenommen. Ich habe bei ihm keine Vorlesungen gehört; er hatte damals wohl vorlesungsfrei und ich musste mich ohnehin auf die Examina vorbereiten. Ich habe bei ihm Tee getrunken, am Nachmittag, so richtig schön mit Plauderstunde.

domradio.de: Als was für einen Menschen haben Sie ihn da kennengelernt?

von Gemmingen: Zurückhaltend und eher scheu, kein wilder Gesprächspartner, sondern immer scheu. Aber er war ein gescheiter Gesprächspartner.

domradio.de: Einige Jahre später sind Sie beide im Vatikan gelandet: Sie als Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan und Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation. Haben sich Ihre Wege da öfter mal gekreuzt?

von Gemmingen: Ja, wir sind uns einmal zufällig auf dem Petersplatz begegnet und er hat gesagt: "Ach, Pater Gemmingen, Sie sind auch da?" Und dann habe ich ihn dann und wann mal interviewt. Einmal hat er mich an Weihnachten eingeladen, und ich habe ihn öfters auf Pressekonferenzen oder in der deutschen Botschaft beim Vatikan getroffen.

domradio.de: Dann kam der 19. April 2005, der Tag, an dem aus Kardinal Ratzinger Papst Benedikt XVI. wurde - ein historischer Moment! Zum ersten Mal seit Jahrhunderten war wieder ein Deutscher im Petrusamt. Haben Sie sofort die Bedeutung erfasst?

von Gemmingen: Ich glaube nicht, dass ich diese Bedeutung sofort erfasst habe. Ich glaube, dass man nicht in diesen Kategorieren denkt, wenn man in Rom lebt. Ich kann mich nicht daran erinnern. Allerdings würde ich sagen, dass es für mich auf der Hand lag, ihn zu wählen. Die anderen Kardinäle wussten, dass Ratzinger kein Karrierist war, er wäre lieber schon früher von Rom wieder weggegangen. Er hat dort seine Arbeit getan. Sein Ruf in Deutschland war schlecht, weil er als Panzerkardinal galt. Aber er hat die Beerdigung von Johannes Paul II. sehr gut gestaltet und alle Kardinäle wussten, dass er theologisch unser Gescheitester war. Dass sie ihn gewählt haben, war für mich deswegen keine Überraschung.

domradio.de: Heute gibt Papst Franziskus immer mal wieder Interviews. Als Sie aber Benedikt zwei Mal auf Deutsch befragten, war das etwas ganz besonderes. Als was für ein Gesprächspartner haben Sie ihn damals erlebt?

von Gemmingen: Zunächst hatte ich ihn für Radio Vatikan interviewt; das war ganz nüchtern, 15 Minuten lang, sehr sachlich. Er wollte kurz vorher die Fragen wissen, ich habe sie gestellt, er hat geantwortet und ist dann gegangen. Das zweite Mal war ein Fernseh-Interview zusammen mit dem ZDF, der ARD und der Deutschen Welle in Castel Gandolfo. Rund herum standen viele Kameras und lauter Menschen, die uns beobachtet haben. Das Interview war leider sehr steif. Uns wurde vorher nämlich gesagt: "Wenn der Papst reinkommt, stellt Ihr Eure Fragen und gebt ihm nicht vorher die Hand oder so." Das war im Nachhinein sehr dumm. Denn erst nachdem wir fertig waren, nach 45 Minuten, haben wir ihm die Hand gegeben und jeder hat sich vorgestellt. Das war schlecht gemacht. Aber das lag ja nicht an ihm.

domradio.de: Wenn Sie die knapp acht Jahre Pontifikat von Benedikt Revue passieren lassen: Was macht seine Amtszeit im Kern aus?

von Gemmingen: Ich glaube, dass er sehr tiefschürfende Dinge gesagt hat zu Glauben und Vernunft, vor allem aber auch zu der Beziehung zwischen Religion, Staat und Gesellschaft. Da hat er sehr gescheite Dinge gesagt und sich auch gesellschaftskritisch über die Diktatur der Relativismus geäußert. Vielleicht bestand manchmal die Gefahr, dass er seine Aussagen nicht genug erklärt hat. Denn es klang oft so, als würde er die Welt verurteilen. Er hat für Akademiker gesprochen, abgesehen von den Generalaudienzen, und manches kam in der breiten Öffentlichkeit wohl nicht richtig rüber.

domradio.de: Gab es denn eine Geste, die Sie persönlich besonders berührt hat?

von Gemmingen: Das war wohl seine Rede bei der Beerdigung von Johannes Paul II., als die Bibel auf dem Sarg des toten Papsts lag und Ratzinger gepredigt hat. Das hat wohl die Herzen vieler Menschen sehr berührt. Denn da hat er gut gesprochen und es war ein beeindruckendes Bild.

domradio.de: Am Rosenmontag im Jahr 2013 dann der Paukenschlag: Benedikt XVI. verkündet seinen Amtsverzicht. Wie bewerten Sie diesen Schritt jetzt?

von Gemmingen: Hervorragend! Ich hatte schon vorher gedacht, dass Päpste doch heutzutage zurücktreten dürfen müssten. Früher ist man nämlich mit 60 oder 65 Jahren oft gestorben und heute siecht man stattdessen dahin und da soll man nebenbei die Kirche leiten? Das ging bei Johannes Paul II.  vielleicht gerade deswegen noch, weil er einen Sekretär hatte, der im Grunde alles in die Hand nahm. Aber wenn man sich an die Bilder erinnert mit dem auf die Seite gebeugten Johannes Paul II.: ein sterbender Mensch. So kann man die Kirche nicht leiten. Das gilt natürlich nur solange die Kirche so organisiert ist wie heute, solange also so viel zentral in Rom entschieden wird. Ich glaube, man könnte die Kirche aber auch noch anders organisieren.

domradio.de: Zum Glück ist Papst Benedikt mit seinen 90 Jahren noch relativ fit. Auf jeden Fall kann er Geburtstag feiern, das macht er morgen in einem kleinen Kreis. Haben Sie darüber hinaus noch etwas erfahren?

von Gemmingen: Nein, mehr weiß ich auch nicht. Es sollen wohl aus Schweiz bayrische Gebirgsschützen kommen, wie das so üblich ist, mit Biergläsern in der Hand. Das macht er mit, aber das ist im Grunde gar nicht sein Stil. Ich meine, er liebt Bayern, er hängt an Bayern und er hängt das Bayrische raus. Aber das bierige Bayern ist nicht so seine Art.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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