Benedikt XVI.
Der Rücktritt eines Papstes: Benedikt XVI.

10.02.2014

Wie die Ankündigung des Papstrücktritts vor einem Jahr einschlug Eine Schrecksekunde für die Welt

Als Papst Benedikt XVI. vor einem Jahr seinen Rücktritt ankündigte, hatte niemand damit gerechnet. Heute ist sich die katholische und säkulare Welt einig: Dieser Schritt zeugte von menschlicher Stärke.

Die Nachricht kam "wie der Blitz aus heiterem Himmel", nicht nur für Kardinaldekan Angelo Sodano. Zum Abschluss einer Versammlung von Kardinälen ließ sich Papst Benedikt XVI. nochmals das Mikrofon reichen - und kündigte ihnen und der Welt seinen Rücktritt an. Um das "Schifflein Petri" künftig zu steuern und weiter das Evangelium zu verkünden, sei genügend Kraft des Körpers und des Geistes notwendig, sagte er in lateinischer Sprache. Wohl deshalb wurden seine historischen Worte nicht auf Anhieb von allen verstanden.

Seine Kraft habe in den vergangenen Monaten "derart abgenommen, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen", so Benedikt XVI. Daher werde er mit Wirkung 28. Februar, 20.00 Uhr, auf sein Amt verzichten.

Meisner: "Ich ahnte nichts"

Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner nahm an diesem Konsistorium teil. Nach der Ankündigung habe unter den Kardinälen im Apostolischen Palast "für einen Moment fassungsloses Schweigen" geherrscht. "Ich ahnte nichts", gestand Meisner später.

Giovanna Chirri von der italienischen Nachrichtenagentur Ansa verfolgte die Bekanntgabe über den Bildschirm im Pressesaal des Heiligen Stuhls. Latein hatte Chirri an der Schule gelernt. Dennoch war sie sich zunächst unsicher, ob sie gerade richtig verstanden hatte. Doch als Sodano entsprechend antwortete, zögerte sie nicht und schickte die Sensationsmeldung als erste in die Welt.

Der Rücktritt war ein weiser Schritt

Die Nachricht ereilte auch die Kleinstadt Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen. Dort bereitete sich der Chefredakteur des Kölner domradio, Ingo Brüggenjürgen, auf den Rosenmontagszug vor. Verkleidet und geschminkt saß er im Kreis seiner Familie, als der Anruf aus der Redaktion kam. Die Verwandten glaubten an einen Scherz, als Brüggenjürgen erzählte, er müsse nach Köln; der Papst sei zurückgetreten. Notgedrungen schminkte er sich ab, zog sich um und stieg in den Zug.

Heute kann er darüber schmunzeln. Letztlich war der Rücktritt Benedikt XVI. seiner Ansicht nach ein weiser Schritt, der die Christen weitergebracht habe. Der Papst habe sich die Freiheit genommen, auf das eigene Gewissen und die persönliche Stellung vor Gott zu hören, so Brüggenjürgen.

Überraschung und Respekt

Auch der Hamburger Erzbischof Werner Thissen ist der Ansicht, dass die Amtszeit Benedikt XVI. nachhaltig Wirkung zeigen wird. Vom Rücktritt war er zunächst ebenfalls überrascht. "Ich muss gestehen, als ich um 12.00 Uhr die Nachricht hörte, dass ich nach Luft gerungen habe", so der Erzbischof, der bei dem früheren Theologieprofessor Joseph Ratzinger studiert hatte. "Mein zweiter Gedanke war: Respekt, der Papst hat souverän gehandelt. Mein dritter Gedanke war, es ist geheimgeblieben."

Auch Papstbruder Georg Ratzinger, der als erster in die Pläne eingeweiht war, hatte dicht gehalten. Benedikt XVI. habe ihn frühzeitig ins Vertrauen gezogen, was aber "kein dramatisches Gespräch" gewesen sei. Danach sei es ihm nicht schwergefallen, Stillschweigen zu bewahren, so der frühere Domkapellmeister am Tag des Rücktritts vor Journalisten.

Zollitsch: "Ich war sprachlos"

Offizielle Reaktionen gab es an diesem denkwürdigen Tag zuhauf: von US-Präsident Barack Obama und Bundespräsident Joachim Gauck über Kanzlerin Angela Merkel bis hin zu Fußballkaiser Franz Beckenbauer und Volker Beck von den Grünen.

Erzbischof Robert Zollitsch war zu Hause, als er im Radio von der Rücktrittsankündigung hörte. "Ich war sprachlos und konnte es kaum glauben", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Doch je mehr er darüber nachgedacht habe, desto klarer sei ihm geworden: "Das ist ein wohlüberlegter Schritt, der allerhöchsten Respekt verdient." Benedikt XVI. habe in den acht Jahren seines Pontifikates den Menschen mit seinen Ansprachen, Predigten, Enzykliken wie auch mit seinen Jesusbüchern großartige theologische Impulse geschenkt. Mit dem Rücktritt habe sich zweifellos auch das Papstamt gewandelt. Was theoretisch immer möglich war, sei jetzt Realität geworden, so Zollitsch. Damit habe Papst Benedikt XVI. menschliche Stärke gezeigt.

(KNA)

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