16.04.2013

Michael Triegel über sein Benedikt-Bild Porträt Reloaded

Mit seinem Porträt Benedikts XVI. wurde Michael Triegel bekannt. Eine zweite Fassung des Gemäldes hängt nun in Rom. Im domradio.de-Interview spricht der Maler über seine Arbeit und seine persönliche Annäherung an den katholischen Glauben.

domradio.de: Sie haben schon viele Bilder gemalt. Ist ein Papst-Porträt etwas Besonderes?

Triegel: Ja und nein. Immer wenn ich ein Bild male und immer wenn ich ein Porträt male, versuche ich, so gut wie möglich zu sein. Ich kann auch nur dann ein Porträt malen, wenn mich die Person interessiert. Das muss dann nicht der Papst sein, das kann meine Tochter oder ein römischer Straßenjunge sein. Oder eben der Papst, wenn er mich interessiert. Und Benedikt XVI. hat mich sehr interessiert. Deshalb ist es natürlich schon etwas Besonderes, wie das Prozedere des Treffens: Ich war aufgeregter, als ich dachte. Außerdem beziehe ich mich in meiner Kunst stark auf die alten Meister des 15./16. Jahrhunderts, und da weiß ich natürlich: Auch Raffael hat Papst-Porträts gemalt. Mich in dieser Linie wiederzufinden, ist auch etwas Besonderes.

domradio.de: Wo haben Sie den Papst getroffen für das Bild?

Triegel: Der Papst wollte nicht lange Modell sitzen - was ich sonst sehr gerne mache. Doch das ging nicht, aus zeitlichen Gründen und weil er zu bescheiden sei, wie mir gesagt wurde. Und so wurde ich in die erste Reihe gesetzt und hatte Zeit zweieinhalb Stunden Zeit, ihn zu zeichnen, zu beobachten und Fotos zu machen. Im Endeffekt hatte ich sogar das Gefühl, dass das viel günstiger war. Ich habe ihn beim Beten, Zuhören und Reden beobachten können. Ich wollte kein Bild eines Amtes machen, sondern das eines Menschen. Das Porträt, das jetzt im Institut Papst Benedikts XVI. in Regensburg hängt, wurde damals sehr oft besprochen. Und so trat vor einem Jahr der deutsche Botschafter am Heiligen Stuhl an mich heran mit der Frage, ob ich mir vorstellen kann, auch noch ein Bild für Rom zu malen. Das habe ich sofort zugesagt, habe es gemacht und gebe es als Leihgabe hier her.

domradio.de: Selber sind Sie gar nicht katholisch. Hat das eine Rolle für Ihre Arbeit gespielt?

Triegel: Vor drei Jahren war es für die Medien immer so griffig zu sagen: Ein Atheist malt den Papst. Das stimmt so auch nicht. Seit Jahren beschäftige ich mich in meiner Arbeit mit christlicher Ikonographie, ich habe mittlerweile vier große Altäre gemalt. Und bin so ziemlich direkt auf dem Weg in die Arme der heiligen Mutter Kirche. Es kann sein, dass sich das mit dem Katholischen demnächst bei mir ändern wird.

domradio.de: Das Bild, das heute in Rom aufgehängt wird: Ist es eine Neuauflage des Bildes aus Regensburg?

Triegel: Bevor ich damals das Bild begonnen begann, hatte ich mich dem Thema und der Person mit vielen Vorstudien genähert: mit vielen Einzelporträts, vielen kleineren Fassungen, um einfach zu testen und dann eine Endfassung zu finden. Natürlich habe ich jetzt überlegt: Was machst Du mit dem neuen Bild? Und mich dann entschieden, die damals entstandenen Vorarbeiten für eine zweite Fassung zu nutzen, mich dabei aber überraschen zu lassen, also nicht eins zu eins zu kopieren. Die Komposition als solche ist sehr ähnlich, aber es hat sich doch einiges geändert. Was am stärksten auffallen wird, ist dass der Blick ein anderer ist. Der ist wesentlich milder, vielleicht auch zugänglicher. Als Schutzbehauptung habe ich für mich dann immer gesagt: Wenn Raffael zwei Porträtfassungen von Julius II. machen kann, die jetzt in London und Florenz hängen, kann ich das auch.

Das Gespräch führte Matthias Friebe.

(dr)

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