Ingo Brüggenjürgen im Vatikan
Ingo Brüggenjürgen im Vatikan

28.02.2013

Ingo Brüggenjürgen berichtet aus der Heiligen Stadt Post aus Rom - Die Letzte ...

Die ganze Welt schaute auf Rom, als Papst Benedikt XVI. heute seinen Abschied nahm. domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen war vor Ort und macht sich so seine Gedanken ...

In Rom geht die Sonne auf. Ein strahlendblauer Himmel verheißt einen wunderschönen Tag, auch wenn es am frühen Morgen noch ganz schön kalt ist. Die ersten Pilger und Beter kommen schon aus der Frühmesse. Bistro- und Cafébesitzer klappen ihre Läden auf und rücken die Tische und Stühle zurecht. Ein Tag wie jeder andere? Nein. Heute ist der letzte Amtstag von Benedikt XVI. Der erste Papst der Neuzeit, der den Weg bis zu seinem Lebensende nicht in den Schuhen Petri zu Ende geht. Er zieht sich zurück, legt das Amt, das er vor fast genau acht Jahren ungewollt erhalten hat, wieder zurück. Zurück in die Hände Gottes, obwohl seine eigene letzte Stunde noch nicht geschlagen hat. Das zeugt von großem Mut. Und das zeugt von noch größerem Gottvertrauen. Vor allem aber auch von der Liebe und Freiheit der Kinder Gottes. Kurz vor 18 Uhr zeigte sich Papst Benedikt dann auf dem Platz der Freiheit das letzte Mal den Gläubigen – und gab ihnen zum letzten Mal seinen apostolischen Segen.

Heute am frühen Morgen ist das außerhalb des Vatikans kaum zu spüren. Die Römer, denen noch die unentschiedene Wahl vom Sonntag schwer im Magen liegt, haben andere Sorgen. Natürlich hängen fast an jeder Ecke und auf jedem Stromkasten Bilder vom Papst mit der Aufschrift “Grazie!“. Aber sonst? Die Stadt mit ihren fast drei Millionen Einwohnern tickt in ihrem eigenen Rhythmus. Hier kommen und gehen Päpste seit Jahrhunderten, nein, seit zwei Jahrtausenden. Viele der Päpste haben ihre Spuren hinterlassen. Die einen haben große Basiliken bauen lassen, die anderen immerhin noch eine kleine Kapelle.

Für Brücken und Brunnen sind viele Römer und Touristen diesen Pontifexen bis heute dankbar, meist ohne genau zu wissen, welcher Mensch sich hinter den goldenen oder eingravierten Buchstaben verbirgt. „Clemens XII. Pont. Max“ steht zum Beispiel hoch über dem Trevi-Brunnen. Aber wer weiß heute schon, dass dieser 1730 nach 129 (!) tägiger Wahldauer damals Benedikt XIII. folgte – damals schon halb blind?

“Politisch weitgehend erfolglos“ – so das Urteil der Geschichte, aber immerhin diesen wunderbaren Brunnen, der nahezu ununterbrochen fotografiert wird, ist von ihm geblieben.

Was wird von Benedetto zurückbleiben? Der Kioskbesitzer, den ich frage, lächelt mir ein “buono“ entgegen. Ein guter Mensch sei der. Gibt es ein schöneres Urteil über einen Menschen? Dann erklärt er mit noch, dass er ihn sehr möge, weil er sich nicht so wichtig nehme. Dabei geht sein Blick auf den berühmten Vorgänger. Poster, Bücher und Postkarten mit Johannes Paul II. gehen offenbar auch bei ihm besser über den Ladentisch als der Nochpapst aus Bayern.

In Rom nutzen viele Pilger den freien Vormittag und klappern die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ab. Drei spanische Priester, alle in dunkler Soutane und mit weißem Collarkragen wollen unbedingt noch ins Pantheon. Am Nachmittag erkenne ich sie wieder: Sie eilen zum Petersplatz. Kurz nach 17 Uhr wird Benedetto den Vatikan verlassen. Mit dem Hubschrauber, wie bei Dan Brown … Na ja, nicht ganz so, denn der Hubschrauber wird natürlich nicht über dem Petersplatz explodieren.

Ein perfekt inszeniertes Medienereignis

Auf extra aufgebauten Bildschirmen können die anwesenden Gläubigen die wunderbaren Bilder verfolgen, die das vatikanische Fernsehen in alle Welt schickt. Auf domradio.de haben wir die meisten Zuschauer seit Sendestart. Der vatikanische Fernsehdirektor und seine Kollegen haben beste Arbeit geleistet. 18 Kameras und ein eigener Helikopter lassen den Heiligen Vater auf seinen letzten Metern nicht mehr aus den Augen. Wie sonst nur im amerikanischen Fernsehen bei Verfolgungsjagden sind so Millionen von Menschen ganz nah dabei. Nur als der geschwächte Papst die Stufen zu seinem Auto herabsteigt, blenden die Kollegen gnädig die Schweizer Garde ein…

Die vatikanischen Medienprofis bestimmen schon sehr genau, welche Bilder man vom Papst zu sehen bekommt. Die letzten Bilder aber aus Castel Gandolfo sind nicht geprobt: Der Papst redet frei und ohne Manuskript. Er verabschiedet sich als “einfacher Pilger“. Angetreten war damals auf dem Balkon vor einer riesigen Menschenmenge mit den Worten: “Ich bin nur ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Hier schließt sich hier der Kreis. Er lächelt, sagt Grazie und Buona Notte und verschwindet.

Auf dem Petersplatz klingen um 20 Uhr am Ende des Pontifikats die Glocken. Viele treue Freunde und Begleiter haben sich hier im stillen Gebet versammelt. Einige weinen. Andere knien in tiefer Andacht auf den kalten Steinen. Und oben, wo sonst immer das brennende Licht den noch arbeitenden oder lesenden Papst Benedikt XVI. signalisierte, bleibt es heute dunkel. Dafür geht ganz langsam der Mond auf und taucht St. Peter in sein gnädiges Licht. Was bleibt dem, der an diesem historischen Tag dabei war? Ein herzliches “Vergelt´s Gott“ dem bescheidenen Menschen Joseph Ratzinger, dem liebenswerten Benedikt XVI. und dem großen Theologen und einfachen Pilger. Gott führe Dich - Pfüati!

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