Mike Schuster
Mike Schuster

13.02.2013

Die Generation Benedikt zum Abschied ihres Namensgebers "Er wird Spuren hinterlassen"

Papst Benedikt XVI wird nur noch bis zum 28. Februar im Amt bleiben. Für viele Menschen war diese Nachricht ein Schock, auch für Mike Schuster. Er ist Sprecher der Generation Benedikt, einem Netzwerk von jungen Christen.

domradio.de: Wie haben Sie denn davon erfahren, dass der Papst von seinem Amt zurücktreten möchte?

Schuster: Ja, das war ja völlig überraschend. Ich war gerade mit meiner Frau zum Mittagessen verabredet. Wir kamen beide aus dem Büro und dann rief mich meine Großmutter an und sagte: "Mike, der Papst tritt zurück." Die weiß, dass ich ihn sehr mag und mich sehr für die Kirche interessiere und engagiere. Und da habe ich gedacht, das ist ein Scherz und habe gleich aufgelegt und habe gesagt: "Ich melde mich später nochmal". Dann habe ich gleich im Internet nachgelesen, das es stimmte dann. Also das hat mich völlig überrascht.

domradio.de: Waren Sie auch schockiert?

Schuster: Was heißt schockiert. Ich hielt das bis dato für unmöglich und dachte, das muss eine Falschmeldung sein, bis ich dann wirklich dieses Foto gesehen habe und auch diese Rücktrittserklärung, die er ja auf Latein verlesen hat. Dann war das für mich erst so ein bisschen real. Also es war schon ein Schock, aber jetzt nicht im negativen Sinne.

domradio.de: Wieso hat sich denn das Jugendnetzwerk gerade Papst Benedikt als Namensgeber ausgesucht?

Schuster: Ich finde es sehr überraschend, wie Papst Benedikt sich entwickelt hat. Das ist ja so nach dem Weltjugendtag entstanden, das Netzwerk, und man hat ja so gesagt "Der Panzer-Kardinal", "Der Hardliner", also er hatte ja keine Vorschuss-Lorbeeren, wenn man das so sagen möchte. Und er hat sich ja auf der Loggia des Petersdoms 2005 fast wie verwandelt und auch als er in Köln 2005 war, hat das mich persönlich sehr bewegt und auch viele, viele junge Menschen, die auf dem Marienfeld auch standen bei dem Abschlussgottesdienst. Und er ist für uns so ein bisschen auch eine spirituelle Leitfigur, er hat uns Impulse gegeben, er prägt uns und wir halten ihn für sehr, sehr glaubwürdig. Und er interessiert sich sehr für die Jugend. Also ich finde, er ist ein sehr, sehr guter Namensgeber für ein Netzwerk junger Christen, die sich mit Gott in Verbindung fühlen und auch mit der Kirche.

domradio.de: Sie haben gerade die Glaubwürdigkeit angesprochen. Was begeistert junge Menschen denn noch daraus an dem aktuellen Papst?

Schuster: In der heutigen Zeit gibt es so viele Strömungen und Impulse, die uns tagtäglich beeinflussen. Da ist jemand wie Papst Benedikt, der sehr, sehr gerade heraus ist und sehr, sehr verlässlich auch in seiner Verkündigung, ein wichtiger Halt für uns. Er gibt uns eine Richtung vor, er gibt uns auch Wege vor. Wenn man allein schon überlegt, die Jesus-Bücher, die er geschrieben hat - ich hab die gelesen. Da ist ja ein Papst, ein Theologe, der über einen Freund spricht fast. Er spricht über Gott wie über einen Freund, den er uns vorstellt wie er ihn kennengelernt hat. Das gibt eine Richtung und das gibt auch Halt im Leben.

domradio.de: Was sind denn Ihrer Meinung nach die wichtigsten Errungenschaften dieses Papstes?

Schuster: Ich denke doch, dass er überraschend war in vielen Entwicklungen: dass er sehr offen war, sich auf die Jugendlichen eingelassen hat. Er hat Dialog geführt hat mit anderen Religionen, mit dem Islam, wo erst eine schwierige Situation durch ein Missverständnis in seiner berühmten Regensburger Rede entstanden ist. Und doch hat er Dialog geführt. Er hat Dialog mit den Juden geführt und hat auch, glaub ich, mit Deutschland, seiner Heimat, sehr gut im Dialog gestanden, wo es ja nicht immer sehr einfach war in seinem eigenen Land. Ich denke, er hat das gut gemacht bei allen Besuchen, die er hier war. Er war ein sehr,  sehr guter Papst und das Prägendste durch ihn ist, glaube ich, seine Theologie und das wird man vielleicht erst sehr viel später merken, was er durch seine Bücher und seine Predigten, die alle druckreif sind, und seine Vorträge und Reden - das wird, glaub ich, lange Spuren in der Kirche hinterlassen.

domradio.de: Sie haben ja Papst Benedikt auch persönlich getroffen. Was hat er Ihnen denn mit auf den Weg gegeben?

Schuster: Das war ein sehr kurzes Treffen, aber was mich bewegt hat, war nach der Verlobung mit meiner jetzigen Frau. Und was mich sehr bewegt oder beeindruckt hat, ist, dass der Papst, in den wenigen Momenten, in denen man mit ihm spricht, sehr, sehr stark bei einem ist mit seinem Blick und er hat auch die ganze Zeit unsere Hand gehalten. Er hat den Ruf, so ein bisschen kühl zu sein, ein kühler Professor. Das ist er gar nicht, wenn man ihn persönlich trifft. Ein warmherziger Mensch, der sich sehr interessiert hat für uns als junge Menschen und sehr, sehr offen für uns war. Das hat mich beeindruckt und beeindruckt mich bis heute.

domradio.de: Blicken wir vielleicht kurz auch nochmal in die Zukunft. Was wünschen Sie sich von dem neuen Papst?

Schuster: Ja, ich bin erst mal froh, dass ich nicht im Konklave sitze und es die Entscheidung des Heiligen Geistes sein wird.  Es gibt ja viele Spekulationen, ich kann mich da gar nicht äußern zu. Ich finde spannend, wie sich das entwickeln wird. Es gibt sicherlich, wenn man aus Europa ein bisschen rausgeht, auch in der Weltkirche andere Belange, die wichtig sind, andere Probleme, die wichtig sind. Deswegen kann ich es als spannend formulieren, wenn ein Papst vielleicht aus Lateinamerika, Afrika käme. Das würde vielleicht den Fokus der Kirche auch ein bisschen auf andere Probleme lenken. Aber es gibt ja auch Spekulationen, ob es Kardinal Schönborn wird oder der sehr ausstrahlungskräftige New Yorker Kardinal Dolan. Es sind spannende Kandidaten dabei, letztendlich muss der liebe Gott sehen, wen er für geeignet hält.

 

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