31.12.2012

Das Gebetsanliegen des Papstes für den Januar Aufbruch nach vorn

Für die katholische Kirche ist 2013 «Jahr des Glaubens», das der Papst bereits im Oktober eröffnet hat. Auch das Gebetsanliegen Benedikts XVI. für den Januar widmet sich dem Thema - bei dem es ihm vor allem um geistliche Erneuerung geht.

Je mehr wir uns auf das Jahr des Glaubens einlassen, umso klarer wird es: Der Glaube lässt sich nicht eintrichtern - wir können ihn unseren Zeitgenossen nur anbieten. Erst vor kurzem war ich auf eine Baustelle eingeladen: Ich sollte eine Kirche anschauen, die gerade renoviert wurde. Unübersehbar hat die Designerin in großen Lettern auf die Bautafel geschrieben: Instaurare omnia in Christo! Wer nicht genau hinhört, erliegt leicht einer Verwechslung: Statt "instaurare" redet er schnell von "restaurare".

Was ist gemeint, wenn es heißt: Instaurare omnia in Christo? Was kann uns dieses Wort sagen im Hinblick auf die Erneuerung der Kirche, die das Zweite Vatikanische Konzil angestoßen hat? Kann es uns zu einem "tieferen Einblick in die Geheimnisse Christi und wachsende Glaubensfreude durch das Jahr des Glaubens" verhelfen, worum der Papst im Januar betet? Wer im lateinischen Wörterbuch blättert, trifft bei instaurare auf verschiedene Bedeutungen. Da steht tatsächlich auch "restaurare". Alles in Christus restaurieren. Doch wenn das alles ist?

Die Erneuerung der Kirche ist keine Restauration. Wir restaurieren Gebäude, aber keine Verhältnisse längst vergangener Zeiten. Das ist übrigens keine kirchenpolitische Frage, sondern betrifft Jesus Christus selbst: Wer Jesus Christus hört, der darf nicht nur an den historischen Jesus von Nazareth denken, der vor zweitausend Jahren gelebt hat. Er muss auch an den auferstandenen und erhöhten Christus denken, der wiederkommt in Herrlichkeit. Deshalb geht der Weg der Kirche nicht zurück, sondern stets nach vorn. Jesus Christus ist im Kommen. Wer zurück will, weicht ihm aus. Das Heil liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Instaurare heißt deshalb erneuern im Sinn des Aufbruchs nach vorn, der Auffrischung, der Neugier auf das, was der Geist uns sagen will.

Eine zweite Bedeutung für instaurare meint «instituire": einrichten, ausrichten, gründen. Alles auf Christus gründen, alles auf ihn hin ausrichten. So gesehen ist die jetzige Zeit der Kirche nicht nur Krise. Sie ist ebenso sehr eine Chance. Bewundernswert sind die vielen Frauen und Männer, die ehrenamtlich und hauptberuflich entdeckt haben, was ihre Mission ist: "dass sie des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt ausüben" (Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, Nr. 31). Wir wollen auf unsere Laien nicht verzichten, weder auf die Frauen und Männer in den verschiedenen Berufsgruppen, noch auf die unzähligen Ehrenamtlichen. Die Laiengremien auf den verschiedenen Ebenen gehören zum Gerüst unserer Diözesen. Ohne Laien könnten Priester und Bischöfe "einpacken"! Laien sind weder Dilettanten noch Lückenbüßer, wenn die Pfarrer fehlen; sie sollten sich auch nicht zu Konkurrenten zum Klerus aufschwingen. Gemeinsam dienen sie dem Aufbau des Leibes Christi.

Noch eine dritte Bedeutung sei angefügt: Instaurare kann auch heißen "integrare" - alles in Christus vereinen. Es ist heute so viel von Pastoralprogrammen die Rede: von der Seelsorgeeinheit über pastorale Räume bis zur Ordnung der Dekanate. Damit das alles gelingen kann, braucht es Kooperation statt Konkurrenz, Zusammenhalt statt Eigeninteresse. Wir brauchen eine Spiritualität der Gemeinschaft. Dem seligen Papst Johannes Paul II. war es ein besonderes Anliegen, die Kirche "zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft" zu machen. Was bedeutet das konkret?

Vor der Planung konkreter Initiativen gilt es, eine Spiritualität der Gemeinschaft zu fördern, indem man sie überall dort als Erziehungsprinzip herausstellt, wo man den Menschen und Christen formt, wo man die geweihten Amtsträger, die Ordensleute und die Mitarbeiter in der Seelsorge ausbildet, wo man die Familien und Gemeinden aufbaut. Spiritualität der Gemeinschaft ist auch die Fähigkeit, vor allem das Positive im anderen zu sehen, um es als Gottesgeschenk anzunehmen und zu schätzen: nicht nur ein Geschenk für den anderen, der es direkt empfangen hat, sondern auch ein Geschenk für mich. Spiritualität der Gemeinschaft heißt schließlich, dem Bruder Platz machen können, indem "einer des anderen Last trägt" (Gal 6,2) und den egoistischen Versuchungen widersteht, die uns dauernd bedrohen und Rivalität, Karrierismus, Misstrauen und Eifersüchteleien erzeugen.

Machen wir uns keine Illusionen: Ohne diesen geistlichen Weg würden die äußeren Mittel der Gemeinschaft recht wenig nützen. Sie würden zu seelenlosen Apparaten werden, eher Masken der Gemeinschaft als Möglichkeiten des Wachstums. Instaurare omnia in Christo! Alles in Christus erneuern, alles in Christus gründen, alles in Christus vereinen! Darum geht es, wenn wir die Kirche geistlich erneuern wollen, gerade jetzt im Jahr des Glaubens.

Prälat Bertram Meier
(KNA)

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