Anlass für den Benin-Besuch ist der feierliche Abschluss der Afrika-Synode
Anlass für den Benin-Besuch ist der feierliche Abschluss der Afrika-Synode

17.11.2011

In Benin erklärt Benedikt XVI. den künftigen Kurs der Kirche des Kontinents Auftrag Afrika

Es ist eines der kleinsten Länder Afrikas, das der Papst für seine 22. Auslandsreise ausgewählt hat. Aber Benin hat hohe Bedeutung für das kirchliche Leben auf dem Schwarzen Kontinent: ein Beispiel für einen gelungenen Beitrag der Kirche zu Demokratisierung und Frieden.

Am Freitag reist Benedikt XVI. für drei Tage ins westafrikanische Benin. Anlass seiner zweiten Afrika-Reise ist der feierliche Abschluss der Afrika-Synode vom 2009, deren Schlussdokument das Kirchenoberhaupt auf afrikanischen Boden veröffentlichen will.

Das Dokument mit dem lateinischen Titel "Africae munus" (Auftrag Afrikas) bildet gleichsam das Programm für den künftigen Kurs der katholischen Kirche des Kontinents. Drei Wochen lang hatten im Oktober 2009 rund 200 afrikanische Bischöfe mit Vertretern der Weltkirche über "Die Kirche in Afrika im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden" beraten. Es war ein lebhaftes Treffen, das viel Hoffnungspotential zeigte, aber auch deutlich machte, wie sehr Krieg und Korruption, Krankheiten und Katastrophen, Klimaveränderungen, Hunger und überzogenes Stammesdenken diese Kirchen fordern.

Aus den Beratungsergebnissen, die die Synodalen in 57 Thesen zusammenfassten, hat Benedikt XVI. mit Unterstützung des Synodenrates das Schlussdokument erstellt. In der Basilika des alten christlichen Zentrums Ouidah wird er das Papier am Samstag viermal unterzeichnen - in den Kontinentalsprachen Englisch, Französisch und Portugiesisch sowie in Italienisch. Am Tag danach wird er es bei einer Messe im Stadion von Cotonou offiziell den Vorsitzenden aller 35 afrikanischen Bischofskonferenzen sowie der 7 übernationalen Zusammenschlüsse überreichen.

Neun Ansprachen in drei Sprachen
Hatte Johannes Paul II. das Schlussdokument der ersten Afrika-Synode 1995 noch mit einer Rundreise durch West-, Süd- und Ostafrika auf den Weg gebracht, wollte sein Nachfolger sich auf ein Land beschränken. Immerhin sind sechs Stunden Flug und 4.000 Kilometer aus dem kalten Rom ins tropisch-schwüle Benin eine große physische Anstrengung für einen 84-Jährigen. In drei Tagen muss er neun Ansprachen in drei Sprachen halten.

Für Benin als Ziel der Reise sprach auch, dass das Land 150 Jahre seiner Christianisierung feiert. Von den 8,6 Millionen Bewohnern im früher französischen Dahomey sind nach Vatikan-Angaben 34 Prozent katholisch. Zudem will der Papst mit der Reise zwei große Kirchenmänner des Landes ehren, die Modellcharakter für ganz Afrika haben: den ersten hohen vatikanischen Kurienkardinal Bernardin Gantin (1922-2008) sowie Erzbischof Isidore de Souza (1934-1999). Dieser frühere Erzbischof von Cotonou hat als Präsident der staatlichen Übergangskonferenz nach 1990 maßgeblich zum friedlichen Wechsel des Landes von einem stramm marxistischen Regime zur Demokratie beigetragen.

Benedikt kommt als Staatsgast
Der Papst kommt als Staatsgast nach Benin - und wird mit einem Staatsprotokoll empfangen. Auf dem internationalen "Cardinal-Bernardin-Gantin-Flughafen" wird er von Präsident Thomas Yayi Boni und den Bischöfen des Landes begrüßt. Am Tag danach stattet er dem Präsidenten einen offiziellen Besuch in dessen Amtssitz ab. Dort hält er eine Rede an Politiker, Diplomaten und Religionsvertreter zu Situation und Perspektiven Afrikas. Unter ihnen sind auch Vertreter der Muslime, die rund 25 Prozent der Bevölkerung stellen, sowie Repräsentanten der Naturreligionen.

Insbesondere der Voodoo-Kult ist in Benin tief verwurzelt. Die Angaben über die Zahl der Anhänger schwanken zwischen 20 und 70 Prozent. Denn trotz Taufe oder Bekenntnis zu Allah halten viele es für sicherer, neben dem Priester oder dem Imam auch den Medizinmann oder Geisterbeschwörer zu konsultieren.

Ansonsten steht wie stets bei Papstreisen der Besuch einer katholischen Sozialstation auf dem Programm. In Benin besucht Benedikt XVI. ein von Mutter-Teresa-Schwestern geleitetes Kinderzentrum. Dabei wird sich der Papst-Professor in einer Rede eigens an Kinder wenden. Denn sie sind die Zukunft der Kirche - auch in Afrika.  

Johannes Schidelko

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