23.09.2011

Papst trifft in Erfurt Missbrauchsopfer "Tiefes Mitgefühl und Bedauern"

Seitdem der Vatikan die Reise von Papst Benedikt XVI. nach Deutschland publik machte, wurde über ein mögliches Treffen mit Missbrauchsopfern spekuliert. Unter äußerster Diskretion fand es nun - zuvor nicht angekündigt - statt. Nach einem langen Tag traf der Papst die drei Männer und zwei Frauen am Freitagabend in Erfurt.

Der Ort für das Treffen war gut gewählt: Das Erfurter Priesterseminar ist weiträumig abgesperrt, denn hier übernachtet der Papst - und hier traf er mit der Gruppe von Opfern zusammen, die von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern sexuell missbraucht worden waren.

Nach der anschließend vom Vatikan veröffentlichten Erklärung zeigte sich Benedikt XVI. von der Not der Missbrauchsopfer "bewegt und erschüttert". Er habe sein "tiefes Mitgefühl und Bedauern" bekundet für alles, was ihnen und ihren Familien angetan worden sei. Zudem habe er versichert, den Verantwortlichen in der Kirche sei an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen. Sie bemühten sich, "wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu fördern".

Damit setzte der Papst in Erfurt eine Reihe von Begegnungen fort, die vor drei Jahren in den USA begann. Im April 2008 fand ein Geheimtreffen mit Opfern in der Nuntiatur in Washington statt. Drei Monate später, beim Weltjugendtag in Sydney, lud der Papst einige Opfer zur Frühmesse kurz vor der Rückreise ein. Die Vatikanjournalisten saßen da schon im Bus zum Flughafen.

Ein weiteres Treffen gab es in Malta im April des vergangenen Jahres. Auch in dem Staat, der als einer der am stärksten katholisch geprägten der Welt gilt, gab es sexuellen Missbrauch durch Kleriker.
Weiter nördlich, in Deutschland und Irland, hatte damals der Sturm der Empörung über Schandtaten von Priestern gerade seinen Höhepunkt erreicht.

Wie nahe Benedikt XVI. solche Begegnungen gehen, zeigte sich im September 2010 in London. Teilnehmer berichteten, der Papst habe Tränen in den Augen gehabt, als er sich bei den Betroffenen entschuldigte.

Zudem setzte der Papst bei seinen Reisen auch jeweils Botschaften ab. Auf der USA-Reise stellte er den Dreisatz für den kirchlichen Umgang mit Missbrauch auf: null Toleranz, Hilfe für die Opfer, Prävention bei der Priesterausbildung und in der Seelsorge. In Australien sagte er erstmals als Oberhaupt "sorry": "Es tut mir sehr leid für den Schmerz und die Leiden, die die Opfer erduldet haben." Ein kleiner Satz, er stand nicht im vorab verteilten Redeskript.

In Portugal im Mai 2010 stellte er fest, "dass die größte Verfolgung der Kirche" letztlich "aus der Sünde innerhalb der Kirche" entstehe. Auf dem Weg nach Großbritannien sprach er fast beiläufig davon, Opfer hätten Anspruch auf materielle Hilfe.

Nie zuvor hat Benedikt XVI. so drastisch Kritik an den eigenen Reihen geübt wie beim Thema Missbrauch. Von vielen bekam er Applaus.
Aber es gab auch Unmut: etwa von Opfervertretern, die von einem Treffen mit dem Papst noch etwas anderes als ein gemeinsames Gebet erwarten. Vatikansprecher Federico Lombardi betont stets, es gehe bei den eher symbolischen Begegnungen vor allem um einen "Wink", in welche Richtung die Ortskirche bei der Aufarbeitung des Skandals gehen solle. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie dieser Wink von der Kirche in Deutschland aufgenommen wird.

Burkhard Jürgens und Birgit Wilke

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