04.11.2007

Arabien-Bischof Hinder zum Besuch von König Abdullah im Vatikan "Saudi-Arabien will sein Image aufbessern"

Am Dienstag will König Abdullah von Saudi-Arabien mit Papst Benedikt XVI. zusammentreffen. Der Apostolische Vikar von Arabien, Bischof Paul Hinder, deutet die Visite als weiteres Zeichen für einen vorsichtigen menschenrechtspolitischen Reformkurs des wahhabitischen Monarchen.

Der aus der Schweiz stammende Bischof mit Dienstsitz in Abu Dhabi ist seit zwei Jahren geistlicher Hirte für den Ölstaat, in dem es eine Million Katholiken, aber offiziell keinen einzigen Pfarrer gibt.KNA: Bischof Hinder, der saudische König Abdullah, Hüter der heiligen Stätten des Islam, trifft Papst Benedikt XVI. - wie ordnen Sie den Besuch ein?Hinder: Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass der König von Saudi-Arabien zum Papst kommt, und ein einzigartiges Ereignis. Der Besuch ordnet sich zugleich in eine gewisse Linie ein, die König Abdullah eingeschlagen hat: Dazu gehört, dass Anfang September der saudische Außenminister Saud Al-Faisal beim Papst war. Saudi-Arabien ist bemüht, sein Image aufzubessern.Dabei versucht es auch, mit den anderen Religionsgemeinschaften - in diesem Fall mit der katholischen Kirche - in ein besseres Verhältnis zu kommen.KNA: Sucht Abdullah dabei auch einen Schulterschluss gegen religiöse Hardliner im eigenen Land?Hinder: Ich schließe das nicht aus. Saudi-Arabien ist kein homogener Block; selbst innerhalb der Königsfamilie herrschen unterschiedliche Meinungen über den richtigen Kurs. Das Land erscheint immer wieder auf der Liste der Staaten mit der geringsten Religionsfreiheit. Ich denke, Saudi-Arabien möchte seinen schlechten Ruf diesbezüglich etwas verbessern. Abdullah scheint gewillt, eine gewisse Entspannung beim Verbot nichtislamischer Gottesdienste einzuleiten. Dabei wird er sehr vorsichtig sein müssen, weil das wahrscheinlich Widerstände hervorruft.KNA: Wie ist die Situation der Christen in Saudi-Arabien?Hinder: Dem König muss bewusst sein, dass es in Saudi-Arabien sehr viele Christen gibt - allein die Katholiken zählen weit über eine Million. Offiziell ist ihnen die Religionsausübung im privaten Rahmen gestattet. Nur herrscht bis heute keine Rechtssicherheit, weil nie definiert wurde, was privat ist und was nicht. Es wurde nie gesagt, wie viele Personen in welchem Rahmen und mit welcher Lautstärke feiern dürfen.Ich verspreche mir für die Zukunft eine gewisse Lockerung - wenn auch nicht sofort die Erlaubnis für Kirchenbauten. Aber wir sollten legal mit unseren eigenen Leuten in geeigneten Räumen und in Sicherheit Gottesdienst feiern dürfen. Ein weiterer Schritt wäre, dass uns gestattet wird, mehr Priester für unsere Gläubigen nach Saudi-Arabien zu entsenden.KNA: Wo liegt der Hauptakzent des Besuchs - bei der Friedenspolitik oder im interreligiösen Dialog?Hinder: Ich kenne die Agenda nicht, die der König mitbringt, und auch nicht im Detail die Agenda des Heiligen Stuhls.Schwerpunktmäßig wird es zum einen um die Friedensproblematik im Nahen Osten gehen: Der Heilige Stuhl nimmt in der israelisch-palästinensischen Frage eine wichtige Rolle ein, und Saudi-Arabien ist daran interessiert, dass es in Palästina zu einem dauerhaften und gerechten Frieden kommt.Zum anderen wird das Verhältnis zwischen Christentum und Islam ein Thema sein. Ich könnte mir vorstellen, dass auch die Botschaft der 138 muslimischen Gelehrten in das Gespräch einfließt. Drittens dürfte es um die Situation der Christen in Saudi-Arabien gehen. Ich habe keine Zweifel, dass der Papst im Blick auf Gottesdienst- und Religionsfreiheit klare Forderungen benennt.KNA: Rechnen Sie mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Saudi-Arabien?Hinder: Bemühungen sind sicherlich im Gang. Ich vermute, dass die Zeit dafür noch nicht reif ist; aber beide Seiten haben ein gewisses Interesse, Saudi-Arabien nicht zuletzt wegen des Images auf internationaler Ebene.KNA: Und die erste Papstreise nach Saudi-Arabien - wann wird die sein?Hinder: Das müssen Sie den Herrn im Himmel fragen! Wenn schon, würde ich einen Besuch in einem anderen Land der arabischen Halbinsel erwarten. Bevor diplomatische Beziehungen aufgenommen sind, ist an eine Reise nach Saudi-Arabien ohnehin nicht zu denken.Interview: Burkhard Jürgens (KNA)

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