21.08.2007

Papst spendet 200.000 Dollar - Die Hilfe erreicht die Erdbebenopfer in Peru nur langsam Peru braucht Hilfe

Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben in Peru haben die Rettungsmannschaften die Hoffnung aufgegeben, weitere Überlebende unter den Trümmern zu bergen. Jetzt geht es darum, den Hunderttausenden zu helfen, die durch die Katastrophe obdachlos geworden sind. Doch die Unterstützung läuft noch immer schleppend, klagt im domradio-Interview Michael Jordan von der Diakonie Katastrophenhilfe.

"Hier spielen sich unbeschreibliche Szenen ab"Weinend sitzt Carmen Vargas mit ihren drei kleinen Kindern vor den Resten ihres zusammengestürzten Lehmhauses. "Sie haben Fieber, aber hier gibt es keine Medikamente, nichts", klagt die Bäuerin aus der Siedlung Pilar Nores in der zentralperuanischen Küstenprovinz Ica. "Sie haben uns vergessen.""Hier spielen sich unbeschreibliche Szenen ab", sagt Jürgen Schübelin. Der Lateinamerika-Experte der Kindernothilfe ist erschüttert von dem Chaos im Erdbebengebiet. Er ist durch Dörfer gefahren, "in denen kein Haus mehr steht". Er hat gesehen, wie bewaffnete Jugendliche Lastwagen ausgeraubt haben und welch ein "schwunghafter Schwarzhandel" mit Decken oder Trinkwasser betrieben wird - "ja sogar mit Särgen".Fernsehteams gegenseitig auf den FüßenDie Hilfslieferungen aus dem In- und Ausland konzentrieren sich auf die zu 85 Prozent zerstörte Hafenstadt Pisco, ebenso das Medieninteresse. "Im Zentrum von Pisco stehen sich 40 Fernsehteams gegenseitig auf den Füßen", sagt Schübelin. Mit der Koordinierung der Hilfsaktionen und der Gelegenheitskriminalität sei die Regierung sichtlich überfordert, sagt Schübelin  auch wenn Präsident Alan García seit vergangenen Donnerstag von der örtlichen Militärbasis aus regiert und damit bei seinen Landsleuten punkten kann.Am Sonntag führte García seinen kolumbianischen Kollegen Álvaro Uribe über die Absperrungen hinweg in die Ruinen der San-Clemente-Kirche.Dort hatte das Beben Hunderte Gläubige während eines Gottesdienstes überrascht. Die Kuppel stürzte herunter, mindestens 148 Menschen fanden den Tod. Bei den Feuerwehrleuten, die den Bau gesichert hatten, löste die Extratour der Staatschefs Unmut aus. "Da sieht man, wo die Unordnung herkommt", murrte einer.Papst Benedikt spendet für PeruPapst Benedikt XVI. hat 200.000 Dollar für die Erdbebenopfer in Peru gespendet. Als Zeichen seiner Solidarität schickte er gleichzeitig Kardinal Staatssekretär Tarcisio Bertone als Sondergesandten in die von der Katastrophe betroffene Region. Bertone werde kommende Woche im Rahmen einer seit längerem geplanten Peru-Reise die betroffene Region Ica besuchen.Der Bischof von Ica, Guido Brena Lopez, sieht bei einer mittlerweile auf mehr als 500 gestiegenen Zahl der Todesopfer noch kein Ende der Not:Sicherheitslage verbessert sich langsam"Immerhin verbessert sich die Sicherheitslage langsam", sagt Jürgen Schübelin. Hilfsgüter-Konvois werden jetzt von bewaffneten Uniformierten eskortiert. 1.200 Soldaten und 1.000 Polizisten sorgen dafür, dass weniger geplündert wird.Beeindruckt hat den Koordinator der Kindernothilfe die große Solidarität vieler peruanischer Partnerorganisationen. "In der Provinzhauptstadt Ica sind die Aktivisten der 'Organisation arbeitender Kinder' voll bei der Sache. Und der Berufsverband der Ingenieure stellt seine ganze Logistik zur Verteilung der Hilfsgüter zur Verfügung", erzählt Schübelin."Aggressive Grundstimmung" bei den OpfernDie Kindernothilfe konzentriert ihre Aktivitäten auf abgelegene Landstriche östlich von Ica, wo sie Lebensmittel, Decken und Wasserbehälter verteilen lässt. "Unser Konzept, vor allem mit Frauengruppen zusammenzuarbeiten, hat sich sehr bewährt", sagt Schübelin zufrieden. "Die Frauen haben über Nacht eine funktionierende Struktur aus dem Boden gestampft und Gemeinschaftsküchen organisiert."Auch die Diakonie Katastrophenhilfe setzt auf die Zusammenarbeit mit ihrem örtlichen Partner, dem peruanischen Kleinbauernverband CNA. In der Kleinstadt Cañete wurden Notunterkünfte und Gemeinschaftsküchen errichtet. Bei den meisten Erdbebenopfern überwiege aber noch eine "aggressive Grundstimmung", berichtet Regionalkoordinator Michael Jordan. Die Menschen seien wütend, weil die Hilfe nur langsam vorangeht. "Der Durchbruch ist noch nicht erreicht."Von Gerhard Dilger (epd)  

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