Zeit für die Familie im Advent
Zeit für die Familie im Advent
Stress in der Adventszeit?
Stress in der Adventszeit?

29.11.2015

Weniger Stress in der Vorweihnachtszeit - geht das? Simplify your Advent

Advent, Advent ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - dann steht die Panik vor der Tür: Geschenke müssen gekauft und die Weihnachtstage geplant werden. Ein Psychologe, ein Autor und eine Eremitin geben Tipps. 

Alle Jahre wieder füllt sich im Dezember und Januar die Kölner Praxis von Peter Groß Peter Groß. Das, so berichtet der Psychologe, hat nicht nur mit Depressionen in der dunklen Jahreszeit zu tun. Ein anderer Grund, der die Menschen zu Groß und seinen Kollegen treibt ist: Weihnachts-Stress. Der setzt zumeist schon im Spätherbst ein. Damit überhaupt das erste Türchen im Adventskalender geöffnet werden kann, ist ja bereits vorher zu klären, was sich dahinter verbergen soll: ein Stück handelsüblicher Schokolade - oder doch lieber etwas selbst Gebasteltes?

Es ist vor allem die Frage der Geschenke, die viele Zeitgenossen in den Wahnsinn treibt und manche Familien vor echte Zerreißproben stellt. Groß, selbst Familienvater, hat da einen ersten, simpel klingenden Tipp parat: auf Geschenke verzichten - oder, wenn die liebe Verwandtschaft mosert, eine Obergrenze vereinbaren - "sagen wir mal, 20 Euro". Anstatt "wie ein Idiot suchend durch Kaufhäuser zu rennen" könnten alte Rituale wiederbelebt werden. Gemeinsam mal wieder den Adventskranz basteln und später zusammen die Kerzen entzünden - warum nicht? Die kleine Faustregel von Groß: Entdecke die Möglichkeiten, baue nur keinen neuen Druck auf.

To do- Liste anlegen 

Weniger ist mehr. Weil die Zeit aber eh schon knapp ist, wäre eine To-do-Liste praktisch. Zum Abhaken, damit's noch schneller geht und die Entspannung einsetzt, bevor die Verspannung unter dem Christbaum nicht mehr weg geht. Einer, der so etwas zur Hand haben müsste, ist Werner Tiki Küstenmacher. Mit seiner "simplify your life"-Methode ist der Autor, der in Gröbenzell bei München lebt, zum ungekrönten König der Lebensratgeber geworden. Und tatsächlich: Ein Telefonat genügt und wenig später landen 16 "simplify-Tipps für die letzten Meter vor der Krippe" in der Mailbox.

Einer davon trägt die Überschrift "Familienkonferenz" und stellt die Fragen aller Fragen: "Wie soll Heiligabend ablaufen? Was hat letztes Jahr genervt, was hat gefehlt?" Oft zeige sich da: "Mutti denkt, dass alle ein Riesenmenü erwarten, aber eigentlich sind alle viel zu satt." Der gelernte evangelische Pastor erinnert aber auch an den eigentlichen Ursprung des Festes und rät, Tipp Nummer 10, zu mehr Dankbarkeit. "Weihnachten feiern wir, dass Gott Mensch geworden ist und wir von ihm beschenkt wurden. Schalten Sie daher von Geschenkstress auf Dankbarkeit. Statt: 'Hilfe, der schenkt mir was und ich hab nichts für ihn!' also: 'Danke, dass ich etwas bekomme!'"

Stress für Verkäufer 

Trotzdem werden wohl auch in diesem Jahr die Massen auf der Suche nach passenden Präsenten die Geschäfte fluten. Mit einem Umsatzplus von zwei Prozent auf 86,7 Milliarden Euro rechnet der Handelsverband Deutschland HDE. Wie gehen eigentlich die Verkäufer mit dem erwarteten Andrang und dem daraus resultierenden Stress um? "Eine schwierige Frage", findet HDE-Geschäftsführer Heribert Jöris.

Eine "gute Arbeitsorganisation" und "Schulung der Mitarbeiter" könnten den Druck verringern, meint er. Aber: Der "souveräne Umgang" mit ihrerseits gestressten Kunden sei nun einmal nicht jedem in die Wiege gelegt.

Advent als Zeit der Erinnerung

Wirklich Ruhe finden - das ist schwerer als gedacht. Maria Anna Leenen weiß vielleicht, wie das geht. Rund 40 Kilometer nördlich von Osnabrück lebt die 59-Jährige irgendwo im Nirgendwo: zurückgezogen als katholische Eremitin in der Klause St. Anna. Familien rät Leenen dazu, sich weniger um die äußere Gestaltung zu kümmern, und miteinander ins Gespräch zu kommen, "was für mich und mein Gegenüber Weihnachten bedeutet und nicht darüber zu diskutieren, sondern die verschiedenen Sichtweisen zu akzeptieren".

Sie selbst nutzt die Adventszeit als "Zeit der Erinnerung, dass meine irdische Zeit einmal zu Ende gehen und es danach einen spektakulären Neuanfang geben wird". Dafür braucht es, sagt Leenen, Phasen, in denen nichts passiert, "in denen ich mich nur öffne für das, was in mir und um mich herum ist". Manchmal setzt sie sich dafür still in ihre Kapelle. "Wenn es das Wetter zulässt" auch nach draußen, wo der Blick schweifen kann. "Auch die Schöpfung kommt zur Ruhe, zieht sich nach innen zurück, um Kraft zu sammeln für den neuen Aufbruch im Frühling." Stille Nacht statt eilige Nacht.

 

Joachim Heinz
(KNA)

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