05.02.2013

Adveniat: Priestermorde in Kolumbien stehen in trauriger Tradition Blutiger Alltag

In Kolumbien ist erneut ein katholischer Geistlicher ermordet worden. Seit 1984 kamen so mehr als 80 Geistliche ums Leben, darunter zwei Bischöfe. Warum diese Gewalt? Ein domradio.de-Interview mit Franz Hellinge vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

domradio.de: Seit 1984 sind in Kolumbien mehr als 80 Geistliche ermordet worden – werten Sie die beiden jüngsten Morde also als Fortschreibung einer blutigen Tradition? 

Hellinge: Leider muss man das so sehen, dass es sich um eine Tradition handelt. Denn es ist blutiger Alltag in Kolumbien. Und von diesem blutigen Alltag sind kirchliche Vertreter leider nicht ausgenommen. Mehr als 80 Geistliche wurden ermordet - und es scheint so weiterzugehen.

domradio.de: Zuletzt konnte man ja den Eindruck haben, dass es in Kolumbien ein wenig ruhiger geworden sei – widersprechen die aktuellen Ereignisse diesem Eindruck?

Hellinge: In der Tat ist es in den letzten fünf, sechs Jahren deutlich ruhiger und im zentralkolumbischen Land auch friedlicher geworden. Der letzte Präsident Uribe hatte mit seiner Politik der starken Hand die Guerillas stark bekämpft und auch versucht, paramilitärische Gruppen zu befrieden. Was allerdings nicht ganz gelungen ist. Aber insgesamt ist es ruhiger geworden. Nur leider bezieht sich das nicht auf alle Landesteile. Vor allen Dingen an den Rändern des Landes haben wir nach wie vor schlimme Verhältnisse. Guerilla und paramilitärische Gruppen sind aktiv, Menschen werden entführt und ermordet.

domradio.de: Bevor wir genauer auf die Friedensverhandlungen blicken, müssen wir noch einmal unterscheiden zwischen den beiden bedeutendsten Guerilla-Gruppen: Da ist einerseits die ELN,  die auch Verantwortung für die aktuelle Entführung der beiden Deutschen übernommen hat, und die FARC, die jetzt mit am Verhandlungstisch sitzt. Wie unterscheiden sich die beiden?

Hellinge: Die ELN gründeten 1964 Bauern und Linksintellektuelle der Studentenbewegung. Ihr Leitbild ist das Che Guevaras. Diese Gruppe ist hauptsächlich in erdölreichen Regionen aktiv und versucht dort, mit Blockaden der wichtigsten Straßenverbindungen, Sprengungen von Ölpipelines und Schutzgeldentführungen auf sich und ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Dabei geht es um Souveränität über die Bodenschätze und die Verwaltung des Profits. Dann haben wir die größte Gruppe: die FARC, die revolutionären Streitkräfte Kolumbiens. Auch sie gründete sich als bäuerliche Gruppe, als eine Art Selbstverteidigungsgruppe gegen Schlägertrupps der rivalisierenden Parteien. Sie kämpft ebenfalls hauptsächlich in ländlichen Regionen. Und ihr Ziel ist es, große Landstriche zu erobern und diese Gebiete autonom zu halten. Im Gegensatz zur ELN konnte sie sich sehr stark entwickeln. In ihren besten Zeiten hatte sie über 20.000 bewaffnete Kämpfer.

domradio.de: Die Friedensgespräche zwischen Regierung und FARC laufen seit vergangenem Oktober in Etappen – wie steht die katholische Kirche zu den Gesprächen?

Hellinge: Die katholische Kirche steht natürlich auf der Seite derer, die sich um Frieden im Land bemühen, und kann deshalb auch moralisch diesen Prozess nur unterstützen. Nicht umsonst hat der Erzbischof von Bogota gerade in den letzten Tage immer wieder seine Landsleute dazu aufgerufen, an den Frieden zu glauben und in diesem Sinne auch die laufenden Gespräche der Regierung und der FARC-Guerilla zu unterstützen. Darüber hinaus hat die katholische Kirche in all den Jahren immer wieder Bemühungen gezeigt, den Frieden zu unterstützen, indem sie sich in Friedensgespräche, in Verhandlungen eingeschaltet hat. Sie hat versucht, humanitäre Hilfe bei Entführungen zu organisieren. Und auch jetzt hat sie ihre Bereitschaft signalisiert, sollten die Gespräche ins Stocken geraten, sich dann einzuschalten. Bislang sind sie noch nicht direkt beteiligt, was sie positiv werten. Für sie ist es wichtig, erst dann eingeschaltet zu werden, wenn die Gespräche in einer Sackgasse verlaufen. Allerdings sagen kirchliche Vertreter, dass man im Augenblick noch nicht von einem wirklichen Friedensgespräch sprechen kann, sondern darum geht, eine Suche nach dem Ausweg aus dem bewaffneten Konflikt zu finden. Das Ziel, Friedensgespräche zu führen, wäre ein dritter Schritt.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

Hintergrund: Wie der Sender "Radio Santafe" am Montag (Ortszeit) berichtete, fand die Polizei im zentralkolumbianischen Manizales einen 65 Jahre alten Geistlichen tot in seinem Bett. Die gefesselte Leiche des Opfers wies nach Polizeiangaben Folterspuren auf. Die Hintergründe der Tat sind noch ungeklärt. Erst am Sonntag wurde in der Provinz Norte de Santander ein 52 Jahre alter Geistlicher auf dem Marktplatz der Ortschaft Ocana ermordet. Die Polizei geht davon aus, dass der Priester zufällig Opfer eines Attentates wurde, das einer anderen Person gegolten haben soll. Nach Angaben der Kolumbianischen Bischofskonferenz sind in dem südamerikanischen Land seit 1984 zwei Bischöfe und 83 Geistliche ermordet worden.

(dr)

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