13.09.2004

Nachrichtenarchiv 13.09.2004 13:51 Schorlemmer nennt Äußerungen Köhlers unerhört

Köln (epd). Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer hat die Äußerungen von Bundespräsident Horst Köhler zu den Lebensverhältnissen in Ost und West kritisiert. Köhlers Aufforderung, die unterschiedlichen Lebensverhältnisse zu akzeptieren, sei «unerhört», sagte Schorlemmer am Montag im Kölner Bistumssender domradio. «Bei den hohen Arbeitslosenquoten im Osten kann man nicht einfach sagen: Die Unterschiede sind eben so», betonte Schorlemmer. Solche Aussagen bewirkten Resignation und seien ein Signal an die jungen Leute, ihre Region zu verlassen.Der Wittenberger evangelische Pfarrer sprach sich für weitere Ausgleichsförderungen zwischen den Bundesländern aus. «Sonst fällt unser großartiges Land auseinander», warnte der Theologe. Ein «Gleichmacherstaat» sei zwar keine Lösung. Die Akzeptanz von Demokratie hänge aber davon ab, ob ein gewisser sozialer Ausgleich geschaffen werde. Köhler hatte dem Magazin «Focus» gesagt, wer die unterschiedlichen Lebensverhältnisse einebnen wolle, zementiere den Subventionsstaat. (d92867/13.9.2004)