04.12.2008

Wolfgang Thierse (MdB) plädiert für Gleichstellung der Fächer Ethik und Religion in Berlin "Religionsunterricht ist nicht Indoktrination"

Der Vizepräsident des deutschen Bundesstags, Wolfgang Thierse, hat sich im domradio-Interview für eine Gleichberechtigung der Fächer Ethik und Religion in Berlin ausgesprochen. Thierse: "Der Religionsunterricht an den Schulen ist ja nicht Indoktrination, sondern (…) die Auseinandersetzung mit der eigenen religiösen Überzeugung und der anderer." Es gehe darum, dass an den Schulen Orientierungswissen vermittelt würde, dazu gehöre das Stellen von Sinnfragen.

Wenn man für Religionsunterricht eintrete, dann müsse man das auch für den Unterricht anderer Religionen und Konfessionen tun. Deshalb sei es vernünftig in einem Land wie Berlin, dass die Fächer Religion und Ethik zusammenarbeiteten. Thierse: „Weil es gut ist, dass katholische Schüler mit muslimischen Schülern diskutieren und evangelische mit buddhistischen Schülern. Das ist organisierbar, man muss es nur wirklich wollen."Thierse selbst wuchs in der DDR auf und hatte keinen Religionsunterricht in der Schule. Deshalb reagiere allergisch, wenn sich der Staat anmaße, die Wahlfreiheit einzuschränken. In Berlin ist das Fach Ethik Pflicht, Religion dagegen fakultativ. Derzeit läuft ein Volksbegehren mit dem Ziel, die beiden Fächer gleich zu stellen.