17.05.2011

Radio Journal, Ausg. 6 2009 Radioscharmützel um Pulheim

Das Kölner domradio erweitert seine UKW-Reichweite ins Umland: Die Landesanstalt für Medien in Düsseldorf erteilte Dem Bistumssender die Lizenz für die Nutzung des Senders Pulheim auf 92,0 MHz. Der 50 Watt-Strahler in der Kleinstadt Nordwestlich der Domstadt erreicht Teile des nördlichen Rhein-Erftkreises und die westlichen Stadtteile von Köln.

domradio setzte sich im Lizenzrennen gegen den Pulheimer Lokalanbieter "Central FM" durch.  Der Betreiber des Internetradios, Jan Lüghausen, hatte Frequenz in frühen Jahren mehrfach mit Kurzzeitlizenzen für Veranstaltungsfunk  rund um Pulheim genutzt. Auf seine unermüdlichen Initiativen hin war die Frequenz.im letzten Jahr zur Dauernutzung freigegeben und. von der Landesmedienanstalt ausgeschrieben worden. Jetzt ergibt sich die absurde Situation, dass Lüghausens Initiative für ein Sublokalradio unterhalb des etablierten Radio. Erft ohne Widerhall bei Medienwächtern blieb,

Seine Vorarbeiten waren - zumindest zunächst - umsonst. Lüghausen hatte ein ausschließlich auf ortsbezogener Werbung fußendes Finanzierungskonzept entwickelt. Das mache auch. einen. kleinen Sender zukunftsfähig, ist sich Lüghausen·.sicher: "Mich interessiert vor allem die  Geschäftswelt hier am Ort, nicht die regionalen Werbekunden, die im "großen" Lokalradio (Erft) buchen",

Zum Programm war Lüghausen im Vorhinein von der LfM eine Vielzahl an Auflagen für ein solches Experiment gemacht würden, auf die sich der junge Medienunternehmer in seinem Lizenzantrag denn auch einließ. Er sah sich. in einer Pionierrolle: "Entweder will die LfM am lebenden Objekt beweisen, so ein Sublokalradio funktioniert nicht. Oder sie sonnt sich -
wenn es funktioniert in der Rolle des Innovators", sagt Lüghausen. Nun bleibt das Theorie. Das Spruchgremium der LfM, die Medienkommission, wollte sich offenbar doch nicht auf ein
solches Experiment einlassen und gab einem großen landesweiten Sender ohne Werbung den Vorzug. Das Verlegermonopol für lokale Hörfunkwerbung im Rhein-Erftkreis bleibt
mithin unangetastet.

Doch nachdem die Schockstarre über den Misserfolg ein wenig gewichen war, hat sich Lüghausen gleich wieder berappelt und zu neuen Ufern aufgemacht. Das Radioscharmützel
um Pulheim soll weitergehen. Als nächstes plant der umtriebige Medienunternehmer weitere Sendestaffeln für Veranstaltungsfunk auf einer neuen Lokalfrequenz in der 54,000- Seelengemeinde. Und dann sei da noch ein zweites Projekt angedacht, gibt sich Lüghausen geheimnisvoll. Für beides jedenfalls vertraut er auf die Kompetenz des Fachunternehmens ILCO-Funk, das bereits für Koordinierung und Betrieb der Frequenz 92,0 MHz verantwortlich zeichnet. "Sie werden sicher trotz übervollem UKW-Spektrum im Raum Köln etwas
für mich finden", ist Lüghausen überzeugt.

Ludwig Schieffer