11.04.2007

Nachrichtenarchiv 12.04.2007 00:00 Lale Akgün (SPD): „Muslimischem Koordinierungsrat fehlt Autorität“

Dem neu gegründeten „Koordinierungsrat der Muslime“ (KRM) sprach Lale Akgün im domradio-Interview jegliche Autorität ab: Er repräsentiere nicht die Mehrheit der Muslime und könne deswegen auch nicht der von der Politik geforderte Ansprechpartner sein. Der Großteil der in Deutschland lebenden Muslime sei liberal und identifiziere sich nicht mit den zusammengeschlossenen Dachverbänden; diese seien mehrheitlich sehr konservativ und einzelne würden sogar vom Verfassungsschutz beobachtet. Des weiteren führte Akgün aus, dass diese Vorgehensweise überhaupt nicht muslimisch sei: „Der Islam kennt solche Formen der Organisation nicht. Es ist also eine Aufstülpung von Organisationsformen, die mit dem Islam nichts zu tun haben und den Menschen sehr, sehr fremd erscheinen.“ Außerdem sehe sie nicht, was dieser Zusammenschluss mit Integration zu tun habe: „Man kann keine Religion integrieren, man kann nur Menschen integrieren. Dass dieser Koordinierungsrat ein Schritt sein soll in Richtung Integration sein soll, wage ich sehr zu bezweifeln.“ Im Vorfeld der nächsten Islamkonferenz am 2. Mai 2007 haben die vier großen muslimischen Verbände in Deutschland einen Dachverband gegründet. Damit kommen die Organisationen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) entgegen, der auf der Islamkonferenz im vergangenen Jahr einen zentralen Ansprechpartner gefordert hatte. Mit dem Zusammenschluss hätten die Muslime ihre Bringschuld teilweise erfüllt und erwarteten eine "Gegenleistung des Staates", sagte der erste Sprecher des neuen "Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland", Ayyub Axel Köhler.