26.02.2005

Nachrichtenarchiv 26.02.2005 15:32 Hält ihn nur noch der Atem Gottes am Leben?

Vatikanstadt - Papst Johannes Paul II. (84) lag auf der Seite, die Beine angezogen. Eine Kanüle steckte unterhalb des Adamsapfels in seinem Hals. Man hörte das leise Pfeifen der durchströmenden Luft.Unglaublich, welch langen Atem Gott seinem Stellvertreter auf Erden schenkt! Für die Leibärzte des Pontifex ist es ein Wunder, wie gut ihr Patient die 30-minütige Luftröhren Operation unter Vollnarkose überstanden hat. Wie er mit Humor, Härte und Hingabe sein Schicksal erträgt, alle Schmerzen überwindet.Den Ärzten, die ihn kurz vor dem Eingriff beruhigen wollten, flüsterte Johannes Paul schmunzelnd zu: „Kleine Operation? Fragt sich nur für wen ...?" Kaum aus der Narkose erwacht, griff Johannes Paul II. für eine Nachricht an seine Ärzte zum Stift: „Was haben Sie mit mir gemacht?" Und fügte den Satz hinzu: „Aber ich bin für immer totus tuus."„Totus tuus", das lateinische Motto des Papstes aus Polen, heißt „Ganz dein". Der mariengläubige Papst drückt damit seine tiefe Verehrung für die Muttergottes aus. Sie hat, das glaubt er fest, schon die Kugel umgelenkt, die ihn beim Attentat 1981 nur verletzt, nicht getötet hatte.Die Nacht hindurch hatten vor der Gemelli-Klinik Gläubige gewacht und gebetet.Schwere Gewitter waren über Rom hinweggezogen. Wolkenbrüche. Es war, als weinte der Himmel.Im 10. Stock, wo die Krankensuite des Papstes liegt, konnte man sehen, daß das Licht lange brannte, erst um 2.20 Uhr erlosch. Der päpstliche Sekretär Don Stanislaw Dziwtsz blieb ununterbrochen am Bett des Papstes.Die große Überraschung folgte am Morgen. Der Papst frühstückte „mit gutem Appetit", so der Vatikan. Milchkaffee, Joghurt, Kekse. „Der Heilige Vater hat eine ruhige  Nacht verbracht. Der Heilungsverlauf nach der Operation verläuft zufriedenstellend." Sein Blick habe wieder Kraft.Aber sprechen kann und darf er noch nicht - niemand weiß, wie lange.Am frühen Nachmittag ließ Johannes Paul II. seinen Redenschreiber zu sich kommen. Keiner kann die durch die Parkinson-Krankheit schwach und zittrig gewordene Schrift so gut entziffern wie er. Ihm wollte der Papst aufeinen kleinen Block gekritzelte Stichworte für das sonntägliche Angelus-Gebet anvertrauen.Geht es nach Johannes Paul, dann wird er sich dabei morgen kurz am Fenster der Gemelli-Klinik zeigen.Vom Krankenbett aus hat der Papst dem Kölner Kardinal Meisner eine persönliche Botschaft zukommen lassen. Demnach geht der Heilige Vater auch nach seiner Operation davon aus, daß er auf jeden Fall zum Weltjugendtag im August dieses Jahres nach Köln kommen wird. Gegenüber dem Kölner Domradio erklärte der Kölner Erzbischof: „Der Heilige Vater hat mir gesagt, daß er sich freut auf die Begegnung mit der Jugend der Welt." Er rief alle Gläubigen zu einem „Gebetssturm für den erkrankten Papst auf".