...und Lärm in der Nacht (Symbolbild)
...und Lärm in der Nacht (Symbolbild)

16.08.2020 - 07:10

WunderBar Von Hitze, Lärm und guter Nachbarschaft

Es dauert, bis es in meinem Schlafzimmer unterm Dach kühler wird und ich einschlafe. Um halb drei fahre ich schlaftrunken hoch: im Nachbarsgarten geht die Party nochmal so richtig hoch her.

Diese Nachbarn wohnen eigentlich eine Straße weiter. Aber Ihr Garten liegt am selben Spielplatz, wie unserer, nur auf der gegenüberliegenden Seite. Der Spielplatz liegt in einer Kuhle. Die Kuhle verstärkt den Schall so sehr, dass wir jedes lauter gesprochene Wort verstehen können.

Die Familie ist sehr gesellig und hat ihren Kindern einen Pool aufgebaut, der auch um Mitternacht noch gerne und lauthals genutzt wird.

Wochenlang wissen wir nicht so recht, was wir tun sollen. Schließlich ist es wunderbar, dass die Familie so viel Spaß hat, gerne feiert und mit ihren Kindern spielt. So gehen die Wochen ins Land. Drei von uns haben ihre Schlafzimmer zum Garten.

Morgens erzählen wir uns, wie lange wir die Nachbarn gehört haben. Kein Zweifel, die Nachbarn sind wie Fledermäuse, nachtaktiv.

Bewusst begegnet sind wir der Familie noch nie. Und durch die vielen Bäume, den Spielplatz und die Straßen zwischen uns, wird das so schnell auch nicht passieren.

Unterdessen rollt die Hitzewelle. Manchmal nachts schlafen wäre schön. Aber Spaßverderber wollen wir nicht sein. So gehen die Tage und die Nächte ins Land.

Bis letzten Sonntag. Also in der Nacht zum Sonntag. Gegen eins waren die fröhlichen Stimmen leiser geworden und ich bin einschlafen. Bis ich um halb drei von sehr lautem Gelächter wach wurde. Und den Rest der Nacht den wolkenlosen Himmel anschaute.

Am nächsten Morgen genügt ein Blick in die Runde: Ich bin nicht als einzige vom fröhlichen Treiben wachgeworden.

Mit einer kleinen Abordnung gehen wir durch den heißen Vormittag, folgen dem Schall. Vor der Haustüre klopfen unsere Herzen ein bisschen schneller: Weiß man, wie fremde Menschen reagieren?

Ein kleiner Junge macht auf. Sofort kommt ein kleiner Hund hinterher. Dann eilt der junge Vater herbei.

Schaut offen, hört betroffen zu. Warum wir denn nur so lange gewartet hätten?  Wir reden noch ein bisschen über die Hitze und die Kinder, dann gehen wir freundlich auseinander.

Nicht nur kennen wir jetzt eine nette Familie in der Nachbarschaft mehr. Nachts ist es jetzt ruhig. Wie wunderbar.