18.06.2017 - 07:20

Wie ich den Kapitalismus besiegte Eistee

Ich höre die Kühlschranktür aufgehen. Ich höre Wasser fließen. Ich bin glücklich: ich haben den Kapitalismus in meinem Kühlschrank besiegt.

Was war die Getränkewelt einfach, als die Kinder klein waren: es gab Wasser. Oder Kindertee. Und Teesaft, für die besonderen Momente im Leben. Da goss ich mal  O-, mal A-Saft in den Tee. Fertig.

Aber irgendwann blieben die Trinkflaschen, die ich morgens für die Schule fertig machte, immer öfter in der Küche stehen. Stattdessen fand ich immer öfter leere Plastikflaschen und Getränkekartons im Müll.  Der Eistee hielt Einzug.

Grässlicher, süßer, chemischer Eistee. Bah. Geschmacksverstärker und Chemie. Umweltmüll, Plastik im Meer, Energieverbrauch für nichts uns wieder nichts. Müll in den Mägen meiner Kinder, Müll in  meiner Küche!  Furchtbar.

Aber gegen kapitalistisches Marketing und den Coolnessfaktor der Clique hatte ich keine Chance. Wer Taschengeld hat, ist autonom. Außerdem hörte ich die klugen Kinder immer öfter fragen: "Papa, gehen wir einkaufen?"

Eine Weile leistete ich noch Widerstand. Erzählte vom Regenwald und von Plastikbergen im Meer. Suchte die Packungen nach Inhaltsstoffen ab, versuchte ein Rezept daraus, füllte handmade Eistee morgens ab. Sogar Zucker rührte ich in meine Verzweiflung hinein.

Nichts half: Die Flaschen blieben stehen. je weiter die Pubertät voranschritt, desto mehr brach mein Widerstand ein. Nur bei Dosen bleib ich eisern: die haben in meinem Kühlschrank nichts zu suchen. Wer Dosen kauft, muss selber kühlen.

Irgendwann gewöhnte ich mich an meine krachende Niederlage. Mein Herz schmerzte nicht mehr ganz so sehr, wenn es auf  Eisteemüll im Eimer stieß. Ich fand mich ab.

Bis vor ein paar Wochen im Vorbeigehen ein kleines Büchlein mich anlächelte. Happy Water stand da. Glückliches Wasser. Wie kann Wasser glücklich sein, fragte ich mich noch, da blätterte ich schon: weißer Tee mit frischen Pfirsichen, frische Orangen, frischer Rosmarin und Schwarztee, Limette, Ingwer und Zitrone - Seite um Seite strahlen mich glückliche Wässerchen in Einmachgläsern, eleganten Karaffen - oder, meine Augen wurden groß, in Wasserspendern an.

Jetzt gab ich Geld aus. Kaufte Wasserspender und Wasserbuch. Experimentierte. Füllte die Experimente in den Spender.

Dann füllte sich mein Herz mit den Reaktionen. "Boah, wie cool ist das denn? Hmm- lecker!" Mein Mann packte den Getränkespender in den Kühlschrank. Ich höre die Kühlschranktür oft gehen.

Glückliches Wasser, glückliche Mutter: "Mama, in der WG ist ein großer Kühlschrank. Kann ich das Teil mitnehmen?"

Moderation: Angela Krumpen