Olympische Ringe
Olympische Ringe

12.04.2016 - 16:45

Von der Sehnsucht nach den wirklich großen Dingen Eddie the Eagle

Ein kleiner Junge. Gehbehindert. Ein Jahr liegt er im Krankenhaus. Die Ärzte sagen ihm: mach keinen Sport mehr. Lies lieber. Der kleine Junge liest. Ein Buch über unsterbliche, olympische Momente. So fangen Legenden an.

Wenn sie so weiter gehen, wie hier: der kleine Junge  ist schwerfällig, ungeschickt, untrainiert. Und hat nur ein Ziel:  die Teilnahme an olympischen Spielen. Primaballerina als Ziel scheint eher möglich. 1988 aber, bei den Winterspielen in Calgary, ist der kleine Michael Edwards, genannt Eddie the Eagle, tatsächlich dabei.

Wird letzter im Skispringen. Aber als der Sprecher während der Abschlusszeremonie sagt, bei diesen Spielen haben Athleten Gold gewonnen, Rekorde gebrochen und einer sei wie ein Adler geflogen, schaut die ganze Welt auf ihn.

Wie konnte das passieren?

Überall auf der Welt stellen ihm Journalisten diese Frage. Eddie Edwards  antwortet: "Ich konnte nicht gewinnen. Aber die Menschen haben mich anerkannt als Kämpfer."

Tja, gekämpft hat Eddie the Eagle. Skispringer brauchen in der Regel acht Jahre, um die 120 Meter Schanze lebend zu schaffen. Eddie braucht 5 Monate. 89 000 Menschen jubeln ihm zu, als er dicklich und plump, in Calgary 73 Meter 50 springt, gerade mal gut die Hälfte von dem, was Skistar Matti Nykänen im gleichen Wettkampf springen wird.  

Die Menschen sind fasziniert. So sehr, dass jetzt, fast 30 Jahre nach Calgary, die Geschichte von  Eddie the Eagle im Kino läuft. Mir ist mein klopfendes Herz, ob der  ungelenke Skispringer, mit den dicken Brillengläsern und schiefen Zähnen, sicher landen wird,  so präsent, dass ich diesen Film unbedingt sehen muss.

Was rührt uns, rührt mich an Eddie the Eagle?

Ist es der olympische Geist, den Pierre Coubertin, der die Spiele in die Neuzeit holte, so ausdrückte: "Das Wichtigste im Leben ist nicht der Triumph, es ist der Kampf; das Wesentliche ist nicht, gesiegt, sondern sich wacker geschlagen zu haben." Vielleicht.

Für mich liegt der Schlüssel in der Chancenlosigkeit des Vorhabens: Die Idee des  kleinen, unsportlichen Jungen,  Olympiateilnehmer zu werden,  hat keine  Aussicht auf Erfolg.  Reicht das, um es nicht zu versuchen?

Für die meisten Menschen ja. Für Eddie nicht. Er tut alles, riskiert alles,  sogar das eigene Leben.  Egal, ob es Erfolg verspricht.

So können die wirklich großen Dinge geschehen. Mein Leben lang bin ich auf der Suche nach ihrem Geheimnis.

Eddie the Eagle hat es einfach gelebt