14.05.2017 - 07:20

Von Asylrecht. Und Unrecht Muttertagswunder

Heute ist Muttertag. Dabei hatte ich dieses Jahr schon Muttertag. Wie gerne hätte ich darauf verzichtet!

Vor ein paar Wochen lag auf der Treppe ein Brief: "Liebe deutsche Mutter. In 24. März in unserer Heimat ist besonderer Tag, Mütterfest. Danke für alles, für die Frau die uns Lächeln zu zeigen versucht."

Die drei, die mir diese Karte schreiben, sind dem Krieg in Aleppo entkommen: Bomben in der Universität, Bomben im Bus. Bomben auf die Grundschule, die die Jüngste besuchte. Fast alle 7jährigen waren nach dem Angriff tot. Die damals 11jährige entkam. Danach wollte die Mutter, der Vater starb an einem Herzinfarkt, nur noch dass Ihre Kinder eine Zukunft haben.

Sie organisierte die Flucht nach Deutschland für drei ihrer Kinder, blieb, weil gehbehindert, mit dem vierten zurück. Die Hoffnung: die drei finden Asyl, Schutz vor dem Krieg, die zwei anderen können nachkommen.

Erst sah alles gut aus: die Geschwister kamen im Oktober 2015. Bekamen den vollen Schutz der Genfer Konvention. Im Februar hatten alle deutschen Ämter dem Familiennachzug von Mutter und Schwester zugestimmt. Am 8.März 2016 wurde der offizielle Antrag gestellt.

Geschafft. Beinahe: Jetzt mussten Mutter und Tochter nur noch in einer deutschen Botschaft vorstellig werden. Syrien selbst hat, da Krieg ist, keine mehr. Die Familie wählte das Konsulat in Izmir.

Das quälende Warten auf einen Termin begann. Wochen wurden zu Monaten. Am 15. November war es so weit. Zu spät, aus Aleppo kommt keiner mehr raus. Als es wieder geht, ist die Grenze in die Türkei zu.

Eigentlich kein Problem: denn der Weg nach Beirut ist frei. Aber an der deutschen Botschaft im Libanon muss der Antrag auf Anhörung neu gestellt werden. Wartezeit: ein Jahr. Zu spät. Sobald das dritte Mädchen 18 wird, darf sie nicht mehr kommen.

Natürlich tun wir alles, was möglich ist, Aktivisten fragen, im Auswärtigen Amt anrufen, usw. Es ist absurd: Wenn doch alles, von allen geklärt und geprüft ist: warum werden dann die Unterlagen nicht einfach nach Beirut geschickt?

Nachdem ich mit vielen Aktivisten gesprochen habe, glaube ich: Weil Asyl zwar gewährt, Familiennachzug aber verhindert wird. Hier wird geltendes Völkerrecht verwehrt. Und absichtlich auf Zeit gespielt wird.

Ich leihe diesen Geschwistern gerne meine mütterlichen Arme. Aber sie brauchen keine deutsche Mutter. Sie brauchen, dass Völkerrecht nicht gebrochen wird. 

Dann müsst ich heute, am deutschen Muttertag, auch nicht um ein Wunder beten.

Moderation: Angela Krumpen