Schienenersatzverkehr
Schienenersatzverkehr

13.09.2015 - 15:06

oder: die Vertreibung aus dem Bahnparadies Schienenersatzverkehr

Die Deutsche Bundesbahn wird für jede auch noch so kleinste Verspätung mit Hohn und Spott übergossen. Jeder Megastau dagegen auf den überfüllten, mit Baustellen übersäten Autobahnen, mit einer geradezu inschallahaften Gelassenheit hingenommen. Das wundert mich. Sehr sogar.

Deswegen mache ich gerne das Gegenteil. Berichte Gutes über die Bahn. Z.B. dass die RE7, die ich in Krefeld auf meinem Weg zur Arbeit nach Köln besteige, hier himmlisch leer ist: Immer finde ich einen Platz, an dem ich in Ruhe meinen Tag vorbereiten kann. Eine Dreiviertelstunde später bin ich in Köln. Also, die Bahn und ich, wir verstehen uns wirklich gut.

Aber selbst ich musste mich jetzt sehr wundern, als es am Dienstag wieder soweit war:

Ich fahre nach Köln. Statt der RE 7 aber finde ich am Krefelder Bahnhof die Anzeige: "Bitte nutzen Sie den Schienenersatzverkehr". Hach, die Deutsche Bahn ist wirklich spaßig! Es folgt eine lustige Schienenersatzverkehrs-Schnitzeljagd durch den Krefelder Bahnhof, bei der ich winzige, im ganzen Bahnhofsgelände verteilte Hinweise auf den Schienenersatzverkehr-Ersatzfahrplan finde. Schon eine Viertelstunde später weiß ich: Vier Wochen fährt hier kein Zug nach Köln. Nur ein Bus nach Neuss. 40 Minuten früher als die RE 7. Mein Bus ist also weg.

Der nächste hat nicht nur Verspätung, er braucht auch länger als die veranschlagten 45 Minuten. Mit dem Anschluss an den Zug in Neuss wird es knapp. Sie wundern sich, dass der Busfahrer trotzdem an jeder Milchkanne ein Schwätzchen hält? Tja, so ging es mir auch. In Neuss fährt der Zug nach Köln immer um 53 ab. Ich spurte was das Zeug hält und stehe, tatsächlich, um 53 in Neuss auf dem Bahnsteig.

Der Zug leider nicht mehr. Die Deutsche Bundesbahn, das wird niemanden wundern, ist eisern pünktlich. Auf einen Schienenersatzverkehrshuttlebus kann sie deswegen keine Rücksicht nehmen. Auch nicht, wenn dessen einziger Zweck ist, dass seine Passagiere genau diesen Zug erreichen.

Aber kein Problem, schon in einer Stunde fährt der nächste Zug von Neuss nach Köln.

Fast vier Stunden dauert so meine Anreise in die Redaktion. Da hätte ich auch nach Hamburg fahren können. Glück im Unglück: Wunderbarer Weise hatte ich, seltene Ausnahme, keine Livesendung. Sonst wäre ich gerade noch pünktlich zur Abmoderation am Ende der Sendung gekommen.

Ob die Bahn sich in den nächsten Wochen wohl wundern wird?

Da fahr ich nämlich Auto.