Inklusion
Inklusion

14.03.2021 - 07:10

WunderBar Inklusion ist, wenn alle sich anstrengen

„Im Prinzip kann der Workshop stattfinden. Aber einige Schüler*innen schreiben an dem Tag bis mittags Klausuren",

antwortet die Oberstufenleiterin der Rupert-Neudeck-Gesamtschule auf die Frage, ob ein Oberstufenkurs wohl für einen halben Tag freigestellt werden könne.

Der Kurs ist ein Projektkurs in der 12. Klasse. Ein ganzes Jahr lang Zeit, soziales Engagement selbst auszuprobieren. Ein Projekt, ganz im Sinne des Schulnamensgeber Rupert Neudeck, der auch Pate stand für das Schulmotto: menschlich, mutig, miteinander.

Die Schüler*innen können zwischen verschiedenen Projektkursen wählen. Für den Kurs „interkulturelles Lernen“ interessierten sich so viele, dass es für die zehn Plätze ein Casting gab.

Die zehn, die es in den Kurs schafften, hatten hohe Erwartungen. Schließlich sollte der Höhepunkt eine Reise nach Ghana zu einer Austauschschule sein. Nun, wir haben eine Pandemie. Die Reise findet natürlich nicht statt.

Das 12. Schuljahr der Schüler*innen, die Zeit für diese einmalige Erfahrung, aber ist: jetzt. Nichts werden sie nachholen können.

Der Schulleiter und ich leiten diesen Kurs. Ein ums andere Mal rauften wir uns die Haare, wenn Corona uns wieder einen Plan zunichtemachte. Und den Ersatzplan vom Plan, gleich noch mit.

Aber irgendein Highlight, irgendetwas von unseren großen Plänen, muss doch Corona trotzen können?

Daher die Idee, den Schüler*innen wenigstens mit einem halbtägigen Workshop für interkulturelles Lernen ein kleines Highlight zu verschaffen.

An dieser Stelle kam der Hinweis ins Spiel, dass eben einige der Schüler*innen an besagtem Tag in anderen Fächern Klausuren schrieben. Kein Ding für die meisten, die kämen dann halt zehn Minuten später.

Anders für einen blinden Schüler im Kurs. Er braucht doppelt so lange für eine Klausur, würde also große Teile des Highlights verpassen.

Das will keiner. Schulleitung, Oberstufenleiterin, Beratungslehrerin, alle strengen sich an. Im Minutentakt treffen Lösungsvorschläge, wie der Schüler doch teilnehmen könnte, in meinem Emailpostfach ein.

Ich staune über so viel Einsatz, denke: wow. Die Schule lebt ihr Motto wirklich. Und ich denke: Inklusion ist, wenn alle sich anstrengen. Solange bis wirklich keiner zurückgelassen wird.

Schließlich fasst der Schulleiter zusammen: Am Freitag wird der blinde Schüler schon vor dem offiziellen Schulbeginn in der nullten Stunde mit seiner Klausur anfangen, kann also doch mit dabei sein.

Ich freue mich. Nur zur Sicherheit, ergänze ich: Die Trainerin kommt aber nicht am Freitag, sie kommt am Dienstag.

Trocken schreibt die Oberstufenleiterin zurück: Super. Am Dienstag stünden keinerlei Klausuren auf dem Plan.

Moderation: Angela Krumpen