Frühstück
Frühstück

24.01.2016 - 07:50

Ich mag das nicht Glück darf nicht von Marmelade abhängen

"Das mag ich nicht", sagt ein Freund vom Jüngsten, als eine Achteltomate auf seinem Teller landet. "Ich esse keine Tomaten". Ich bin verblüfft: "Nur weil du etwas nicht magst, isst du es nicht?"

Wobei: erstaunt dürfte ich eigentlich nicht sein. Der Große war in einem Elterninitiativkindergarten. Wir Eltern haben gekocht, abwechslungsreiche drei Gänge. Aber kein Mittagessen, an dem nicht  knapp die Hälfte der Kinder mäkelig in den Tellern stocherte,  dieses und jenes aussortierend.

Meine Kinder mussten immer alles essen. Keine Sorge, kein Kind musste bei mir am Tisch sitzen und eklige Riesenportionen runterwürgen. Aber ich wollte, dass sie alles essen können. Das müssen sie lernen.  

Kindern schmeckt nie etwas einfach so. Von Zucker mal abgesehen. Sie müssen sich an einen neuen Geschmack gewöhnen. Ernährungsmediziner Berthold Koletzko drückt es so: "Wir essen nicht das, was uns schmeckt, sondern uns schmeckt, was wir regelmäßig essen!“

Diese Erkenntnisse habe ich ab und an zitiert. Aber nur selten habe ich erzählt, worum es mir wirklich ging. Um Freiheit. Und Glück.

Als Studentin hatte ich, bei  einem  Vortrag von Ruth Pfau, der berühmten Schwester und furchtlosen Lepraärztin, ein Schlüsselerlebnis. Beeindruckt hörte ich ihr zu. Jemand fragte,  ob das mühselige Leben in kalten Bergen nicht schwer sei. Die Antwort von Ruth Pfau fiel  tief in mein Herz: "Aber ich kann mein Glück doch nicht davon abhängig machen, dass es die richtige Marmelade zum Frühstück gibt."

Ich verstand: hier geht es um wahres Glück. Glück, das von der richtigen Marmelade abhängt, ist kleines Glück. Ich will großes Glück für mich und meine Kinder. Großes Glück fühlt nur, wer frei ist.

Ob meine Kinder frei sind? Keine Ahnung.  Einmal hörte ich zufällig einen Dialog zwischen meinem Großen und einer anderen Mutter: "Was isst du denn nicht?  Der Große verstand nicht. "ja, was magst du denn nicht?"  "Ach so, ich mag viel nicht. Aber ich esse alles."  Vielleicht war das ein Anfang, ich weiß es nicht. Nur meine Kinder wissen, ob sie Freiheit in sich fühlen.  

Fehlt noch das Ende der Geschichte mit der Achteltomate.  Mir sitzt ein 13jähriger,  kein Kindergartenkind, gegenüber. Während ich das Achtel Tomate teile, ich will ihn nur provozieren, nicht quälen, frage ich ihn nach seinem Lieblingsessen. Spaghetti. Und was noch? Über seiner Antwort grinsen wir, während jeder seine Sechszehnteltomate isst: Spaghetti und

Tomatensoße.