10.04.2016 - 07:50

Was geben wir unseren Kindern mit? Der Berg von Bedeutung

Vater, Mutter und pubertierendes Kind. Regen, Sturm und eine Nordseeinsel. Das Kind liegt lesend im Bett. Außer es muss essen oder duschen. Gemeinsamen Urlaub hatten wir uns als junge Eltern anders vorgestellt. Aber nun gut, auch Eltern lernen dazu. Eisern bleibt nur: Es wird zusammen gegessen. Und wenn vorgelesen wird, fehlt keiner.

Wir lesen: "Nichts", den Bestseller der Dänin Janne Teller. Ein Skandalbuch. In den Schulen zunächst verboten, als Jugendbuch aber sofort preisgekrönt. In einer Reihe mit der "Welle" und dem "Herrn der Fliegen" gestellt

Ich kenne es nicht – fahre also volles Risiko. 

Vater heizt den Kamin an. Der Pubertist lässt sich widerwillig in den besten Sessel fallen.  Es geht um eine 7a, die aus den Sommerferien zurückkommt und erst mal einen Stuhlkreis bildet. Der Große gähnt, ich werde nervös.

Aber dann verlässt einer der Siebtklässler, Pierre-Anthon, im Buch die Schule mit den Worten: "Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun". Fortan macht Pierre Anthon konsequenterweise: nichts. Sitzt nur noch im Pflaumenbaum. In den Großen, der immer schon eine philosophische Ader hatte, kommt Körperspannung zurück. Fast meint man, er säße im Sessel. 

Die Kinder der 7a im Buch sind schockiert. Wollen nichts wissen vom "Nichts" und davon, dass Ihr Leben keine Bedeutung, keinen Sinn haben soll. Wehren sich mit einer wunderbaren Idee: Für einen "Berg der Bedeutung" opfern sie das, was Ihnen das Aller-allerwichtigste ist. Wollen so den Sinn des Lebens beweisen.

Wer sein Opfer gebracht hat, bestimmt, wer als nächstes, welches Opfer bringen muss. Schuhen, Tagebuch und Teleskop, es fängt harmlos an. Rasch aber entsteht eine Gewaltspirale. Hamster, Adoptionsurkunde, spätestens bei der  Unschuld eines der Mädchen wird es kriminell.

Ohnmächtig und atemlos werden wir zu Zeugen dieser Eskalation. Als ich an die Stelle komme, an dem ein Kind einem anderen in vier, sehr realistisch geschilderten, Versuchen den Finger abtrennt, würde ich mich gerne übergeben. Muss aber leider weiterlesen.

Der Große ist schon lange ganz Aufmerksamkeit. Bleibt es für den Rest der sehr spannenden, sehr guten Geschichte. Der "Berg der Bedeutung" stellt die ganz großen Fragen: was bedeutet wirklich etwas?

"Nichts" von Janne Teller hat unserem Großen hoffentlich eine Antwort auf "Alles" gegeben.