Gesellschaftliche Wertschätzung statt Pralinen
Gesellschaftliche Wertschätzung statt Pralinen

10.05.2015 - 07:50

Am liebsten selbstgebastelt Liebe zum Muttertag

Selbstgebastelte Herzen. Katastrophen beim Frühstücksvorbereiten in der Küche. Und Kaffeeüberschwemmungen am Bett. Wie wunderbar. Aber so unschuldig ist der Muttertag nur in dem schmalen Zeitfenster vom Kindergarten bis zur frühen Grundschulzeit. Ansonsten lebt er - und mit ihm die Mütter - gefährlich. Der Muttertag war von Anfang in Gefahr, vereinnahmt zu werden.

Vor ca. hundert Jahren hat  Ann Maria Reeves Jarvis deswegen ihre letzten Lebensjahre mit aller Macht für die Abschaffung des Muttertages gekämpft. Ausgerechnet! Schließlich war sie es doch selbst, die zuvor mit der gleichen Macht einen nationalen "memorials day", einen Tag zur Ehre der Mütter, gewollt hatte.

1907, am 2. Todestag ihrer eigenen Mutter, ließ sie 500 weiße Nelken verteilen. Zum Andenken an ihre und an alle anderen Mütter. Diese Idee war wohl grandios: denn schon sieben Jahre später gab es einen nationalen Feiertag für Mütter.

Ann Maria Reeves Jarvis hätte also zufrieden sein können. War sie aber nicht. Denn: je mehr sich ihre Idee durchsetzte - desto mehr wurde sie sogleich kommerziell ­­ vereinnahmt. Aber so hatte sie es nicht gedacht - und so kämpfte sie mit der gleichen Leidenschaft, wie zuvor für seine Einsetzung, für die Wiederabschaffung des Muttertages.

Liebe mit der andere Leute Geld verdienen wollen - wie sollte das auch gut gehen? Liebe und Geld vertragen sich nie. Gekaufte Liebe ist ein Geschäft, mehr nicht. Noch schlimmer nur, wenn Liebe ideologisch missbraucht wird. Wie im 3. Reich - wo die Mütter geehrt wurden, die "dem Führer" möglichst viele kleine Soldaten "schenkten".

Kein Wunder, dass es uns bis heute schwer fällt, mit dem Muttertag umzugehen: Einmal im Jahr gewürdigt werden - das ist nicht mehr als eine Sonntagsrede. Der traut, zu Recht,  auch niemand. Rituell Blumen verschenken kann wunderbar und genau richtig sein. Oder einfallslos.

Wie immer im Leben bin ich überzeugt: was wir tun ist nicht so wichtig. Was zählt ist nur, wie wir es tun. Mit welcher Absicht.

6jährige, die mit großen ehrlichen Augen und großer Anstrengung Frühstück ans Bett bringen sind über jeden Verdacht erhaben. In jenen Jahren habe ich mich einfach gefreut.

Und heute hab ich mir was anderes ausgedacht: wann immer wir zu einem Kindergeburtstag eingeladen sind, bekommt die Mama des Geburtstagkindes Blumen von mir: dafür, dass sie Mama ist. Und das so wunderbar macht.