25.01.2015 - 08:00

Wort des Bischofs zur Schere zwischen Arm und Reich "Ungerechtigkeit schreit zum Himmel"

Am heutigen Sonntag erinnert der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki an die schockierende soziale Ungleichheit auf der Welt. Manager, Politiker und Wissenschaftler müssten den Mut aufbringen, endlich zu handeln.

Die Kluft zwischen Arm und Reich auf der Welt wird immer größer. Schon im kommenden Jahr wird ein Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen angehäuft haben als alle anderen 99 Prozent zusammen. Pünktlich zum Weltwirtschaftstreffen in Davos sind vom britischen Hilfsdienst Oxfam diese erschreckenden Zahlen ermittelt worden.

Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, weiß der Volksmund. Doch diese ungerechte Verteilung der irdischen Güter ist nicht vom Teufel und erst recht nicht von Gott gegeben. Denn diese Ungerechtigkeit fällt nicht einfach so vom Himmel, es ist Menschenwerk. Schon die Bibel weiß: Wer Geld und Luxus liebt, bekommt davon nie genug. So ist in den letzten Jahren die Schere zwischen Arm und Reich auch immer weiter auseinander gegangen.

Wenn aber der Graben zwischen denen, die alles im Überfluss haben und den Habenixen immer größer wird, dann wachsen die Gefahren: Die zunehmende Ungleichheit führt zwangsläufig zu immer größeren Spannungen. Sie bedroht unsere Demokratie, unseren sozialen Frieden und auch unsere Ökonomie. Diese Ungerechtigkeit schreit auch zum Himmel, denn eine solche Verteilung der Güter ist in hohem Maße unmoralisch. Hunderte von Millionen Menschen sind quasi zur Armut verdammt und haben gar keine Möglichkeiten, ihre Talente und Fähigkeiten zu entwickeln.

Ich nehme den Topmanagern, Politikern und Wissenschaftlern, die sich jetzt wieder beim Weltwirtschaftsforum in der Schweiz getroffen haben, ja ab, dass sie angesichts dieser globalen Ungleichheit um Lösungen bemüht sind. Aber alle, die die Macht haben, müssen auch den Mut aufbringen, endlich zu handeln. Die notwendige Medizin lautet: So viel Bildung und Arbeit wie möglich, am besten für alle.

Wenn wir als Christen einen neuen Himmel und eine neue Erde erwarten, in denen die Gerechtigkeit wohnt, so heißt das eben nicht, dass diese Gerechtigkeit erst am Ende unsere Tage beginnt. Eine gerechtere Verteilung der irdischen Güter ist schon hier und jetzt möglich. Denn Recht und Gerechtigkeit sind unserem Gott lieber als alles andere.

Ihr

Rainer Woelki

Erzbischof von Köln