12.10.2014 - 14:06

Wort des Bischofs zum Achtundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis Der Mensch denkt, Gott lenkt

Der Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, hat die Erfahrung gemacht, dass das Leben oft nicht so läuft wie geplant. Ihm hilft das Wissen um Jesus Christus, der ein Begleiter auf allen Wegen und Umwegen ist.

In meiner neuen Wohnung, die ich vor einigen Wochen bezogen habe, ist längst noch nicht alles wieder dort, wo es eigentlich sein sollte. Immer noch gehe ich an manchen tagen auf Schatzsuche und ich bin froh, wenn ich den Korkenzieher endlich in einem der Umzugskartons  finde, die noch nicht ausgeräumt sind. Zudem hatte ich neulich erst wieder eine Küche ohne Strom und alles war düster. Die Handwerker, sie hatten einen Volltreffer gelandet und eine gerade erst frisch verputzte Stromleitung angebohrt. Glauben Sie nicht, ein Bischof denkt in solchen Momenten nur humorvoll und schmunzelnd an seinen guten Draht nach oben, der ja auch ohne Strom funktionieren sollte. Ganz im Gegenteil: Da liegen dann nicht nur die Leitungen, sondern manchmal auch die Nerven blank.

Warum ausgerechnet das jetzt auch noch? Warum kann ich nicht wenigstens zu Hause, in den eigenen vier Wänden, mal ganz in Ruhe endlich mal das erledigen, was ich mir eigentlich so vorgenommen hatte?

Der Mensch denkt und der liebe Gott lenkt, sagt das Sprichwort. Selbst bei solchen Kleinigkeiten, bei solchen kleinen Pannen merke ich, mein Leben lässt sich nicht planen. Jeder Tag sorgt für neue Überraschungen. Jeder Tag hat seine eigenen Mühen und Sorgen, weiß schon die Bibel. Manchmal sind lange und anstrengende Umwege zu gehen, manchmal ergibt sich ganz unerwartet eine tolle Abkürzung. Immer dann, wenn bei mir gerade mal wieder etwas nicht richtig nach Plan läuft, werde ich daran erinnert, dass das Leben alles andere als planbar ist. Ich kann noch so schön alles einrichten für mich und mir Mühe geben, aber ob ich mein geplantes Ziel erreiche, hängt eigentlich nie von mir alleine ab.

Mir hilft es da, wenn ich weiß, dass ich einen Wegbegleiter habe. Für mich ist das Jesus Christus. Der wird schon wissen, warum gerade mal wieder mein schöner Plan durchkreuzt wird und ein Umweg durch die düstere, vom Strom abgekappte Wohnung, gut für mich ist.

Ihr Rainer Woelki, Erzbischof von Köln