Rainer Maria Kardinal Woelki beim Wort des Bischofs "Shalom Cologne"
Rainer Maria Kardinal Woelki beim Wort des Bischofs "Shalom Cologne"

16.05.2021 - 08:00

Wort des Bischofs Shalom Cologne

Die Gewalt im Heiligen Land beunruhigt auch Kardinal Woelki sehr. Angesichts dieser Eindrücke ist es umso wichtiger, sich für Frieden, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung einzusetzen - etwa bei der Aktion "Shalom Cologne".

Wir alle haben in der vergangenen Woche die Bilder aus dem Heiligen Land gesehen. Fürchterlich und so sinnlos. Mich macht diese Eskalation von Gewalt und Vergeltung in besonderer Weise traurig. Ich bin Präsident des deutschen Vereins für das Heilige Land. Wir setzen uns für Verständigung und Versöhnung der Religionen, Menschen und Völker ein. Es ist kaum zu begreifen: Alle Beteiligten wünschen sich seit Jahrzehnten nichts sehnlicher als Frieden und Freiheit. Und doch endet es fast immer in Gewalt. Wie schwer doch Frieden ist. Für alle Seiten.

Wir als Christen wollen unseren Teil zu einem friedlichen Miteinander beitragen. Auch hier bei uns, auch wenn wir selbst diesen Auftrag manchmal nicht befolgt haben. Als Mitglied im Kuratorium des Trägervereins "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" möchte ich mich auch hier für Toleranz und gegenseitige Wertschätzung einsetzen. Gerade wenn es nun auch hier Ausschreitungen vor Synagogen gibt. Deswegen unterstütze ich die Aktion "Shalom Cologne". Unter dem Motto "SHALOM SELFIE – Zeigt Zusammenhalt!" sind alle eingeladen, Selfies, Fotos oder Bilder zu schicken und mitzumachen. Aus den eingesendeten Einzelbildern wird ein riesiges Mosaik entstehen und im August als XXL-Mosaik öffentlich in Köln präsentiert. Ein Zeichen für eine offene, bunte Gesellschaft, die zusammenhält.

Anlass ist ein ganz besonderes historisches Datum. Denn ein altes Schriftstück belegt: Jüdische Frauen und Männer sind seit 1700 Jahren Teil unserer Gesellschaft. Hier in Köln waren Juden schon seit dem Jahr 321 Mitglieder im Stadtrat. Auf Betreiben der Kölner Bürger! Darauf weist das Dekret des römischen Kaiser Konstantins hin. Trotzdem gab es auch immer dunkle Epochen in der Geschichte, in der Juden bei uns verfolgt und ermordet wurden. Gerade jetzt erstarken wieder antisemitische Kräfte. Der Weg in die Gewalt und die Ausgrenzung ist schnell und verführerisch. Um Frieden und Toleranz müssen auch wir als Christen immer wieder ringen.

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

(DR)