12.07.2020 - 08:00

Wort des Bischofs Mehr Gott am Meer

In den Ferien zieht es die Menschen ans Meer. Die See ist so unvorhersehbar und verändert sich stetig - wie unser Leben. Auch das führt uns näher zu Gott.

So notwendig sie ist – manchmal nervt sie schon, diese Maske. Doch wie wunderbar ist es, dass wir uns jetzt in den Sommerferien nach all den Corona-Einschränkungen endlich wenigstens wieder etwas freier bewegen können. Viele von uns, die in diesen Tagen im verdienten Urlaub sind, zieht es ans Meer. Ganz gleich, ob die Wogen des Meeres an herrlichen Sandstränden auflaufen oder an felsigen Steilküsten – das Meer hat für uns Menschen eine magische Anziehungskraft. Gleich, ob wir auf dem Meeresboden tauchen oder uns sportlich an der Meeresoberfläche tummeln, ob wir uns allein in die kalten Fluten stürzen oder stundenlang im warmen Wasser auf der Luftmatratze liegen – Wasser begeistert schon kleinste Kinder. Wir sind fasziniert, selbst, wenn wir den Sonnenuntergang am Meer nur auf Fotos oder Postkarten sehen.

Woran aber liegt es, dass es uns Menschen immer wieder ans Meer oder gar weit hinaus auf die hohe See zieht? Hängt es damit zusammen, dass unser ganzes Leben hier auf der Erde aus dem Wasser kommt? Liegt es vielleicht daran, dass sich das Meer wie unser eigenes Leben immer wieder neu verändert? Mal ruhig, mal stürmisch, mal belebend, mal lebensbedrohlich? Es mag damit zusammenhängen. Die Weite der Ozeane und Meere erinnern uns immer auch an die Unendlichkeit. Und an unsere irdische Endlichkeit. Wenn die Sonne am frühen Morgen aus dem Meer emporsteigt oder am späten Abend tief im Westen im Meereshorizont abtaucht, spürt fast jeder von uns etwas von dieser Weite und Unendlichkeit, die uns als Menschen ganz klein werden lässt.

Wenn ich am Meer solche Momente erlebe, danke ich Gott für seine großartige, unendlich weite und schöne Schöpfung. Selbst wenn ich mich dann ganz klein und verloren fühle, denke ich an Gottes Zuspruch: "Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein. Hab keine Angst. Wenn Du durch Wasser gehst, will ich bei Dir sein, dass Dich die Ströme nicht ertrinken lassen… Ich, Dein Gott, bin bei Dir, bis ans Ende der Welt!"

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

(DR)