18.08.2019 - 08:00

Wort des Bischofs Schulen für unsere Schwestern und Brüder

Nach einem Gottesdienst beschwerte sich ein Kirchgänger bei Kardinal Woelki über die Unterstützung von Schulen im Libanon. Bildung sei jedoch nicht nur die beste Hilfe zur Selbsthilfe, sondern bekämpfe auch Flüchtlingsursachen, meint Kardinal Woelki.

"Herr Kardinal, ich hab ja nix gegen weltweite humanitäre Hilfe in einer Notlage. Aber Schulen im Libanon – das muss das Erzbistum Köln doch nun wirklich nicht unterstützen!" So beschwerte sich bei mir ein Kirchgänger nach dem Gottesdienst. Hier musste ich dann allerdings doch energisch widersprechen. Denn in meinen Augen ist unsere langfristige Hilfe im Bereich der Bildungs- und Entwicklungsarbeit mindestens genauso wichtig wie die lebensrettende Nothilfe. Wir sagen doch immer, wir wollen die Flüchtlingsursachen bekämpfen.

All denjenigen, die ihre Heimat verlassen, weil sie dort keine Perspektive mehr sehen, können wir doch gerade durch langfristig orientierte Hilfe am allerbesten helfen. Gerade die Hilfe und Investitionen in die Bildung, z.B. für eine solide Ausbildung der jungen Menschen in den Schulen, ist dann aber eine Schlüsselqualifikation. Gerade Bildung ist doch die beste Hilfe zur Selbsthilfe!

Nein, ich denke nicht in nationalen Grenzen. Meine Interessen hören nicht vor der eigenen Haustür auf. Gerade wir Christen sehen in allen Menschen Kinder Gottes. Wir alle sind eine Menschheitsfamilie. Katholisch bedeutet allumfassend, über den ganzen Erdkreis. Da ist der ausgebombte junge Mann aus Syrien mein Bruder, da ist die hungernde junge Frau aus dem Senegal meine Schwester.

So gut es uns möglich ist, müssen wir helfen. Kurzfristig in der akuten Notsituation, langfristig durch kluge Hilfsangebote und gute Ausbildungsangebote, wie z.B. die von uns unterstützten Schulen im Libanon. Christen helfen hier und überall. Christen bauen keine trennenden Mauern auf, sondern Brücken der Versöhnung und Verständigung. Mut macht uns dabei die zugesagte Hilfe Gottes, die schon im Alten Testament freudig verkündet wird: "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern", heißt es da. (Psalm 18,30)

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln