26.11.2017 - 08:00

Wort des Bischofs Der liebe Gott weiß alles

Das Internet hat mit seinen Suchmaschinen scheinbar auf alles eine Antwort. Nein, nicht ganz, meint Kardinal Woelki. Manche Frage vertraut er lieber Gott an - auch wenn die Antwort darauf manchmal etwas länger dauert.

Der liebe Gott weiß alles. Früher jedenfalls glaubte man das so. Heute vertraut man doch eher Google. Der Internetkonzern greift Tag für Tag Unmengen an Daten ab. Die Riesensuchmaschine weiß, welcher Trend gerade angesagt ist oder welchen Verlauf die aktuelle Grippewelle nimmt. Scheinbar auf alle Fragen der Welt wissen Google, Siri oder Alexa oder wie immer auch unsere digitalen Helfer heißen, eine Antwort. Wie mache ich einen Screenshot? Wie verliere ich Gewicht? Wie werde ich Bettwanzen los? Wie werde ich reich?

Wie aber sieht es aus, wenn es um die Grenzfragen unseres Lebens geht? Wenn eine schwere Krankheit unser Leben bedroht? Wenn der Ehepartner uns sitzen lässt? Wenn Eltern ein Kind durch einen Unfall verlieren? Da sind die Internetriesen mit ihrem Latein ganz schnell am Ende.  

Und wie sieht es dann mit Gott aus? Ist der Glaube an Gott nicht eine allzu billige Vertröstung? Erklärt Gott mir etwa, warum ich unheilbar krank bin?  Warum mein Partner mich verlassen hat? Warum meine geliebte Tochter bei dem Unfall sterben musste?  Ich gebe zu – Gott hat keine einfachen Antworten, die im Bruchteil von Sekunden auf meinem Handy aufleuchten. Aber mir hilft Gott weiter. Ich spüre, dass er für mich da ist, selbst wenn seine Antworten oft quälend lange auf sich warten lassen. Mir helfen auch Menschen, die mir von ihrem Glauben an Gott erzählen. Die auf Gott alleine vertrauen, selbst wenn Gott ihnen das Leid der Welt nicht erklärt. Und ich bin mir sicher: Wer Gott sucht, der findet ihn! Immer und überall – auch ohne jede Suchmaschine dieser Welt.

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

(DR)