Nicht in diesem Jahr: Fronleichnamsprozession
Nicht in diesem Jahr: Fronleichnamsprozession

07.06.2020 - 08:00

Wort des Bischofs Wir müssen Zeugen sein!

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. Seit über 750 Jahren. Doch in diesem Jahr ist vieles anders. Kardinal Woelki blickt auf das kommende Hochfest.

Am Donnerstag ist Fronleichnam. Das Fest hat gerade hier bei uns in Köln eine sehr lange Tradition. Vor fast 750 Jahren, im Jahr 1279, zog die erste Prozession in Deutschland hier am Dom vorbei.

Wenn wir als katholische Christen dieses Fest feiern, dann steht dabei die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der hl. Eucharistie im Mittelpunkt. In den vergangenen Wochen mussten wegen der mit dem Coronavirus verbundenen Gefahren leider viele von uns auf den Empfang dieses Sakramentes verzichten, um sich und andere nicht zu gefährden. Ich weiß aus vielen Rückmeldungen, wie schmerzlich dieser Verzicht für viele war und für einige ja auch immer noch ist.

Das Fronleichnamsfest, das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ erinnert uns in diesen Tagen, dass der Herr - trotz seiner Himmelfahrt - unter uns und mit uns sein möchte. Er will in unserer Mitte bleiben. Deshalb schenkt er sich uns im Brot des Lebens, das er selbst ist - in der Hl. Eucharistie. Von diesem Brot, das er selbst ist, genährt, leben wir als Christen. Wir alle wollen leben. Nicht nur ein paar Jahre, sondern ewig. Das ist jedenfalls die Verheißung unseres Glaubens, die seit Ostern gilt. Dabei wissen wir: das Leben, das bleibt, haben wir nicht aus uns. Als Glaubende sind wir aber überzeugt, das Jesus dieses Leben ist, und er sich uns im eucharistischen Brot schenkt. "Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch ... für das Leben der Welt" (Joh 6, 51).

Das ist denn auch der tiefste Grund, weshalb wir katholische Christen an Fronleichnam über die Straßen unserer Städte und Dörfer ziehen. Wir bezeugen damit: Jesus ist das Leben der Welt. Alle Welt soll um ihn wissen. Er hat ein Herz für uns Menschen. Er kennt uns. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er ist interessiert an uns, an unseren Sorgen, Nöten und Ängsten, auch an unseren Freuden. Deshalb wollen wir Christus zu allen Menschen bringen, um ihnen das Leben, um ihnen Christus, zu bringen.

Auch wenn in diesem Jahr wegen der notwendigen Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus vieles anders als gewohnt verlaufen muss und wir auf lang eingeführte und bewährte Traditionen verzichten müssen: Auf unser Bekenntnis zu Christus brauchen wir nie zu verzichten! Wir sind immer wieder neu aufgerufen, seine Zeugen zu sein. So wie die Jünger damals, so sollen wir gerade hier und heute das Evangelium, das Christus selbst ist, mutig und ohne Angst in die Welt hineintragen.

Nicht nur am Fronleichnamstag - sondern jeden Tag neu - unser ganzes Leben lang!

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln