24.06.2018 - 08:00

Wort des Bischofs Wie sieht der Himmel aus?

Die Frage stellt jedes Kind irgendwann: Was meinen wir Christen eigentlich, wenn wir von unserem "Gott im Himmel" sprechen? Wenn es einer wissen muss, dann ein Kardinal...

Es gibt Momente in unserem Leben, da fühlen wir uns himmlisch gut. Liebespaare sind in solchen Momenten sogar im siebten Himmel. Aber was meinen wir Christen eigentlich, wenn wir von unserem "Gott im Himmel" sprechen? Was bedeutet es, wenn wir im Vaterunser ganz selbstverständlich beten: "Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden..."?

Viele Religionen kennen den Himmel. Ein Ort, der nicht von dieser Welt ist. Schon im ersten Satz der Bibel, im Buch Genesis, findet sich in der Schöpfungsgeschichte der erste Hinweis: „Da schuf Gott Himmel und Erde“. Gott sah übrigens, dass seine Schöpfung sehr gut war! Für uns Christen ist der Himmel nicht automatisch oben über den Wolken verortet, auch wenn uns das in unserer Vorstellung hilft. Der Himmel ist für uns immer der Ort, wo wir die größte Nähe zu Gott erleben können. Unser Himmel ist ganz konkret also der Ort, wo unser Gott wohnt. Wo er zuhause ist. 

Als Christ lebe ich in der Hoffnung, dass ich am Ende meiner Tage in Gottes offene Arme falle. Ich setze dann auf Gottes Liebe und hoffe auf Gottes Erbarmen und darauf, dass ich für immer in Gottes Nähe bleiben darf. Dass Gott mir in seinem Reich wirklich die versprochene Wohnung bereitet hat. Mag schon sein, dass es uns hilft, den Himmel als Ort zu denken, in dem immer Milch und Honig fließen. Aber zuallererst ist Himmel für uns Christen der Ort, an dem wir Gott anschauen dürfen. Denn wenn wir bei Gott sind und Gott mit unseren eigenen Augen sehen dürfen, dann sind wir ganz und gar von seiner Liebe umfangen. Eben genau so, wie die junge Mutter ihr Kind voller Liebe in die Augen schaut. 

Auf Gottes Liebe brauchen wir übrigens nicht ein ganzes Leben lang zu warten! Gottes Liebe wird uns Menschen schon hier auf Erden geschenkt. Gerade dann, wenn wir in den Augen unserer Schwester, unseres Bruders Gott selber erkennen. Dann beginnt der Himmel schon hier auf Erden. Und den wünsche ich Ihnen!
 
Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln 

 

(DR)

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