Erzbischöfliches Generalvikariat Köln
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08.11.2020 - 08:00

Wort des Bischofs Fortsetzung der unabhängigen Untersuchung

Es wurde viel berichtet über die Aufarbeitung sexueller Gewalt im Erzbistum Köln. Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki stellt klar: "Es geht um eine ehrliche Anerkennung des Leids der Betroffenen und um wirksame Prävention."

Mir ist klar, dass wir in den letzten Monaten sehr viel Vertrauen verloren haben. Und trotzdem möchte ich Sie erneut um Ihr Vertrauen bitten.

Einige von Ihnen haben in der letzten Woche erlebt, dass wir gemeinsam mit dem Betroffenenbeirat die Entscheidung getroffen haben, die Veröffentlichung der unabhängigen Untersuchung zu verschieben.

Mich machen viele kritische Darstellungen im Nachgang der Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung des Betroffenenbeirats mit dem Erzbistum Köln nachdenklich.

Und trotz allem möchte ich es wiederholen: Ich setze mich persönlich für unser gemeinsames Ziel ein, eine glaubwürdige und belastbare Aufarbeitung zu erreichen.

Den Mitgliedern unseres Betroffenenbeirates habe ich das noch einmal versichert, und ich bin dankbar für ihre Beratungen, die Offenheit, die konstruktive Kritik und Unterstützung. Mir geht es um zwei Dinge:

  • Ehrliche Anerkennung des Leids der Betroffenen.
     
  • Wirksame Prävention von sexueller Gewalt in unserem Bistum.

    Ich verstehe, wenn einige von Ihnen angesichts dieser Ereignisse enttäuscht, verunsichert und empört sind:

  • Enttäuscht, weil nun ein zweites Mal verschoben wurde und das Gefühl entsteht, hier solle ein Gutachten verschwinden, weil es ehemaligen und heutigen Verantwortungsträgern nicht gefällt.
     
  • Verunsichert, weil viele von Ihnen nicht mehr das Zutrauen haben, dass wir die Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten ernst nehmen.
     
  • Und vielleicht wütend, weil wir erneut um Vertrauen bitten müssen.

    Diese Reaktionen kann ich nachvollziehen, und doch bin ich überzeugt, dass diese Entscheidung richtig ist. Wir haben durch Experten klar den Hinweis erhalten, dass dieses Gutachten untauglich ist. Jetzt gehen wir den Weg, der der Richtige ist, und davon bin ich überzeugt.

    Das neue Gutachten wird dazu beitragen, Klarheit zu schaffen und den Blick auf die gemeinsamen und unveränderten Ziele zu lenken:

  • Klares benennen möglicher Fehler und Versäumnisse von Verantwortlichen. Denn Verantwortung ist persönlich, und zur Aufarbeitung gehört, dass Entscheidungsträger Rechenschaft ablegen für ihr Tun und Unterlassen.
     
  • Dazu gehört auch das Nennen von Namen von Verantwortlichen.
  • Aber ganz wichtig ist auch das Feststellen der organisatorischen, strukturellen oder systemischen Fehler und Versäumnisse der Kirche. Wenn wir diese genau kennen, wenn diese aufgezeigt sind, können wir gemeinsam den Weg der Veränderung und Verbesserung gehen.
     
  • Und wenn wir diese systemischen Fehler genau kennen, können wir die Übernahme von Verantwortung ermöglichen. Damit wir Konsequenzen ziehen können: Systemische Konsequenzen für die Kirche und Konsequenzen der einzelnen Verantwortlichen.
     

Mit den Ergebnissen der unabhängigen Untersuchung erhalten wir Antworten auf drängende Fragen: Welche Umstände haben das Leid und die Taten begünstigt? Wer hat falsch gehandelt oder an falscher Stelle das Handeln unterlassen?

Mit diesem ungeschönten Blick auf uns selbst, bekommen wir einen Spiegel vorgehalten und erkennen etwas von der Wahrheit, mit der Christus auf uns schaut. Hieraus müssen dann Konsequenzen gezogen werden. Diesen Weg möchte und muss ich beschreiten.

Ihr

Rainer Woelki
Erzbischof von Köln