31.12.2011 - 13:17

Teilnehmer des Europatreffens besuchen Berliner Moschee "Wie Taizé auf Arabisch"

Die Sehitlik-Moschee beim früheren Flughafen Tempelhof bietet bis zu 1.500 Menschen Platz zum Beten. An diesem Freitagnachmittag ist er erforderlich, wenn auch für ganz andere Besucher als sonst. Statt gläubiger Muslime haben sich junge Christen auf dem Teppich niedergelassen. Es sind Teilnehmer des 34. Europäischen Jugendtreffens, zu dem die ökumenische Gemeinschaft von Taize nach Berlin eingeladen hat. In der Moschee wollen sie Gemeinsamkeiten mit dem Islam erkunden.

Dicht an dicht sitzen Jugendliche in Berlins bekanntestem islamischen Gotteshaus. Im Schnelldurchgang erklärt Chalid Durmosch vom Moscheeverein die Architektur. Die oberen Teile des Gotteshauses sind in blauen Farben gehalten, unten dominieren grüne Töne. "Die Moschee ist eine Nachbildung der Welt", sagt Durmosch und zahlreiche Kameras folgen seinen Hinweisen. Taize-Pilger sind auch Touristen und wollen ihre Erlebnisse für später festhalten. Vieles ist eben fremdartig, der orientalisch anmutende Bau wie auch manches, was der Moscheevertreter aus seiner Religion erläutert. "Aber diese Vielfalt ist gottgewollt, so steht es im Koran", betont er.

Ob der interreligiöse Dialog vielleicht die eigene Religion aufweiche, will ein junger Taize-Pilger aus Frankreich wissen. Frere Maxime, einer der 100 Brüder der ökumenischen Gemeinschaft greift in seiner Antwort auf den Koran zurück: "Gott sieht direkt in unsere Seele und weiß, was unser Herz flüstert", zitiert er die Offenbarungsschrift der Muslime. Dieses Flüstern sei eine besondere Form des Sprechens, die in allen Religionen unverzichtbar sei.
"Anstatt uns anzuschreien, sollten wir dieses Flüstern unserer Herzen zulassen", empfiehlt er für das Gespräch der Religionen.

Türen im Kopf
Auch auf den Rängen der Moschee drängen sich die Besucher. Unter ihnen ist Ayse. Über Facebook hat die 25-jährige Muslimin erfahren, dass eine ungewöhnliche Gruppe ihre Moschee besucht. Taize war ihr bislang kein Begriff. Das ist nun anders. "Dieses Aufeinander-Zugehen, wie es die Jugendlichen zeigen, ist so wichtig", betont sie. Besonders für den Dialog zwischen Christen und Muslimen. "Manchmal kommt es mir vor, als wären die Türen in den Köpfen schon immer zu - ohne, dass man miteinander geredet hat", bedauert Ayse.

Auch die evangelische Pfarrerin Elisabeth Kruse aus der Nachbarschaft der Moschee findet, dass sich der interreligiöse Dialog "mindestens drei Scheiben von Taize" abschneiden kann. "Wir leben zusammen, da ist es wichtig, dass wir uns immer wieder neues Vertrauen schenken", spielt sie auf das Motto des Europatreffens "Wege des Vertrauens" an. Zugleich wirbt die Pastorin, selbst stark im interreligiösen Dialog engagiert, dafür, vor den bleibenden Unterschieden der Religionen und Kulturen keine Angst zu haben.

"Normalerweise würden wir euch jetzt alle zu Tee und Keksen einladen, aber ihr seid leider viel zu viele", scherzt Moscheevertreter Durmosch zum Abschied. Einige Jugendliche bleiben noch, um ihm weitere Fragen zu seiner Religion zu stellen. Da beginnt er zu singen und in seiner Sprache Gott zu preisen. "Das ist wie ein Lied von Taize auf Arabisch", findet eine junge Zuhörerin.