31.07.2015 - 10:00

1000 Jahre Kaiserdom Stolzes Merseburg!

Merseburg, die Stadt an der Saale, die Deutschlands kostbarsten Literaturschatz bewahrt, die Merseburger Zaubersprüche, feiert in diesem Jahr ihre kostbarste Architektur, den Kaiserdom. Vor 1000 Jahren legte Bischof Thietmar im Beisein Kaiser Heinrichs II. den Grundstein.

«Es drängt mich, die Geschichte der einst weit und breit berühmten, jetzt aber von den Schatten der Vergessenheit umdunkelten Stadt zu erhellen» - mit diesen Worten eröffnete im Jahr 1012 Bischof Thietmar von Merseburg, prominenter Geschichtsschreiber des Mittelalters, seine berühmte Chronik. Ein Jahrtausend später scheint der Satz erst wirklich zutreffend. Dem heute gut 33.000-Einwohner zählenden-Städtchen im südlichen Sachsen-Anhalt sieht man nicht unbedingt an, dass es damals eine der bedeutendsten Königs- und Kaiserpfalzen Deutschlands war.

Sonderausstellung 1000 Jahre Kaiserdom

Das Bauwerk, das noch am ehesten von der einstigen Macht und Pracht Zeugnis ablegen kann, ist der Merseburger Dom. Das Jubiläum seiner Grundsteinlegung vom 18. Mai 1015 nehmen die Vereinigten Domstifter nun zum Anlass für eine kulturhistorische Sonderausstellung. Ab dem 10. August soll mit ihr der Glanz des 11. Jahrhunderts für vier Monate in die Saalestadt zurückkehren. Die Schau im Dom Sankt Johannes und Sankt Laurentius sowie im Kulturhistorischen Museum gibt mit wertvollen Handschriften und weiteren kostbaren Exponaten Einblicke in die prachtvolle Gründungsausstattung des Kaiserdoms.

Lieblingsort des Kaisers und geistliches Zentrum

Dieser verdankt seinen Aufstieg zu einer der bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands vor allem Kaiser Heinrich II. Der Überlieferung nach war es der Lieblingsort des später heiliggesprochenen Herrschers. Zur romantischen Neigung gesellte sich freilich das politische Kalkül: Mit einem starken Merseburg konsolidierte Heinrich seine Macht im Osten des Reiches. Damit einher ging die Errichtung eines geistlichen Zentrums. Entsprechend stellte Heinrich zunächst 1006 das alte Bistum Merseburg wieder her, gab den Auftrag zum Bau eines repräsentativen Doms und förderte ihn mit reichen Schenkungen. An der Weihe des Gotteshauses 1021 nahm der Kaiser persönlich teil.

Geschichte des Domes von der Grundsteinlegung bis zur Reformation

Mit großformatigen Panorama-Montagen soll die Ausstellung die Baugeschichte des Doms wieder lebendig werden lassen. So wurde der steinerne Lettner, der bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die Gläubigen im Kirchenraum von den Geistlichen trennte, rekonstruiert und auf ein dünnes Textil gedruckt. Es hängt während der Ausstellung an der ursprünglichen Stelle zwischen Kirchenschiff und Chor von der Decke herab. «Finden Gottesdienste während der Ausstellung statt, wird das Ganze dann wie ein Theatervorhang hochgezogen», so Ausstellungsgestalter Jürg Steiner.

Die Schau spannt den Bogen von der Grundsteinlegung bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, als das Bistum Merseburg im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. Sie beginnt im Kunsthistorischen Museum mit den kaiserlichen Anfängen der Stadt und dem historisch nicht haltbaren, aber von Bischof Thietmar propagierten Mythos, dass Julius Caesar einst den Ort gegründet habe. Die Ausstellung zeichnet die Pfalzgeschichte Merseburgs bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts nach.

Prachtvolle Gründungsausstattung des Kaiserdoms

Der zweite Teil im angrenzenden Dom widmet sich intensiv der Baugeschichte der Kathedrale sowie dem europaweiten Phänomen der Verehrung Heinrich II., dessen Zentrum Merseburg war. Insgesamt sind rund 130 Exponate zu sehen, darunter eine aus Polen stammende Kopie der «Heilige Lanze», eine Bischofsmitra aus dem 14. Jahrhundert und das nie genutzte Reichskreuz des im Investiturstreit unterlegenen Rudolf von Rheinfelden (1025-1080). Dieser war als «Gegenkönig» Widersacher von König Heinrich IV. und liegt im Merseburger Dom begraben. Nicht zuletzt geben wertvolle Handschriften und die Rekonstruktion des Domschatzes Einblick in die prachtvolle Gründungsausstattung des Kaiserdoms. (kna)