06.05.2011 - 12:54

BWV 59 Bachkantate am Pfingstsonntag

Die Entstehungsgeschichte der Kantate, die Johann Sebastian Bach für den heutigen Pfingstsonntag komponiert hat, ist relativ ungeklärt. Möglicherweise ist die Kantate 1723 zum ersten Mal aufgeführt worden, möglicherweise aber auch erst ein Jahr später, zum Pfingstfest 1724. Auf jeden Fall ist die Komposition für beschränkte Verhältnisse entstanden. Dies geht schon aus der Textwahl hervor, denn Bach hat die Dichtung von Erdmann Neumeister nur zum Teil vertont. Die Folge: Die Kantate dauert noch keine Viertelstunde, ist also für eine Feiertagskantate sehr knapp ausgefallen.

Aber auch musikalisch stellt Bach nur sehr geringe Ansprüche an das Können der Musiker. Und das Vocalensemble schließlich beschränkt sich auf 2 Solisten und einen Chor, der nur einen einfachen Choral zu singen hat. Vermutlich hat Bach also diese Kantate für den Leipziger Universitätsgottesdienst komponiert.

Der Text beginnt mit einem Zitat aus dem Evangelientext des Sonntags: "Wer mich liebt, der wird mein Wort halten und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen."

Das folgende Rezitativ ist mit Streichern ausinstrumentiert. Es endet auf die Worte "Ach, das doch, wie er wollte, ihn auch ein jeder lieben sollte!". Und das letzte Satzglied ist - wie oft in Bachs frühen Werken - als Arioso vertont, das nur vom Continuo begleitet wird.

Der 3. Satz, der Choral, ist zwar als einfacher Chorsatz vertont, doch sind 2. Violine und  Viola selbständig geführt, so dass der Satz besonders vollstimmig klingt.
Der letzte Satz ist eine Bass-Arie, die sich musikalisch eng an den ersten Satz anschließt und einen Ausblick auf die himmlische Wohnung gibt. So heißt es im Text: "Ach! Gott, wie selig sind wir doch! Wie selig werden wir erst noch, wenn wir nach dieser Zeit der Erden bei dir im Himmel wohnen werden?"

In der Forschung wird bis heute diskutiert und gerätselt, ob die Kantate wirklich mit dieser Arie endet, oder ob ihr doch noch ein Choral folgen sollte. Denn normalerweise enden die Bach´ schen Kantaten ja mit einem Choral. Eine eindeutige Antwort hat man bisher nicht gefunden, die Noten machen hierzu keine Angaben, so dass dieses Rätsel wohl ungelöst bleibt.

BWV 59: "Wer mich liebt, der wird mein Wort halten".
Concentus muscius Wien, Tölzer Knabenchor, Leitung: Nikolaus Harnoncourt.

Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.