08.02.2010 - 10:27

BWV 174: Pfingstmontag Bachkantate am 24. Mai 2010

Die heutige Kantate hat Johann Sebastian Bach für den Pfingstmontag des Jahres 1729 komponiert. Und wie in verschiedenen Kantaten der Jahre 1726 bis 1729 so stellt Bach auch dem Text dieser Kantate einen bereits früher komponierten Konzertsatz als einleitende Sinfonie voran. Diesmal ist es eine sehr bekannte Komposition, nämlich der 1. Satz des 3. Brandenburgischen Konzerts, dessen Entstehung wohl noch in die frühe Weimarer Zeit Bachs fällt.

Die Ausmaße dieses Eingangssatzes sprengen die Proportionen der Kantate. Denn was nun folgt sind nur noch zwei durch ein Rezitativ voneinander getrennte Arien und der Schlusschoral. Demgegenüber ist der Eingangssatz viel zu gewichtig und ausführlich. Die Textdichtung stützt sich inhaltlich ganz auf das einleitende Wort der Evangelienlesung "Also hat Gott die Welt geliebt". Aus diesem Bibelwort wird in der ersten Arie die Liebe des Christen zu Gott begründet: "Ich liebe den Höchsten vom ganzem Gemüte, er hat mich auch am höchsten lieb", so heißt es im Text. Das folgende Rezitativ enthält nun eine Betrachtung über diese Stelle des Evangeliums, dessen Anfang darin wörtlich zitiert wird. Die zweite Arie wendet sich nun an die versammelte Gemeinde mit der Aufforderung, sie möge das in Gottes Liebe offenbar gewordene Heil ergreifen, damit sie auch zu denen gehöre, die an ihn glauben und das ewige Leben haben. Der Schlusschoral greift mit den Worten "Herzlich lieb hab ich dich, o Herr" wieder auf den Gedanken der Eingangsarie zurück und beendet die Kantate. BWV 174: "Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte". Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt. Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.