12.07.2012 - 09:37

BWV 167 Johannistag in der Evangelischen Kirche

Die Kantate des heutigen Sonntags ist im Jahr 1723 entstanden, nur wenige Wochen nach dem Antritt Johann Sebastian Bachs als Thomaskantor in Leipzig. Und vielleicht ist es dieser Einarbeitungszeit zuzuschreiben, dass Bach in dieser Kantate den Chor nur im Schlusschoral heranzieht und auch an Instrumenten außer Streichern und Continuo nur eine Oboe und eine Trompete verlangt. Überhaupt ist das Werk mit nur zwei Arien auffallend knapp bemessen.

Überschrift der Kantate: "Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe". Der Textdichter nimmt dabei den Lobgesang des Zacharias, das sogenannte Benedictus, zur Grundlage. Zacharias preist angesichts der Geburt Johannes des Täufers Gott mit den Worten: "Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels. Denn er hat sein Volk besucht um ihm Erlösung geschaffen." Einzelne Textwendungen dieses Lobgesangs werden fast wörtlich in den Kantatentext übernommen.

Die Eingangsarie in von ungewöhnlicher Lieblichkeit, ein Pastorale, das gelöste Freude als Aufmunterung, Gott zu rühmen, widerspiegelt.

Der zweite Satz, das Rezitativ, wendet den Blick von Jesus zurück auf Johannes den Täufer, der dem Heiland den Weg bereitet hat. Die beiden letzten Textzeilen des Satzes werden durch ein Sechzehntel-Motiv des Continuo untermalt und so als Ziel des göttlichen Heilsplans hervorgehoben. Passend zum Text, in dem es heißt: Hierauf kam Jesus selber an, die armen Menschenkinder und die verlorenen Sünder mit Gnad und Liebe zu erfreuen und sie zum Himmelreich in wahrer Buß zu leiten".

"Gottes Wort, das trüget nicht": So heißt es zu Beginn des dritten Satzes. Der Dichter sieht also in diesem Geschehen, in der Geburt Jesu, die Erfüllung der schon im Paradies gegebenen Verheißung. Stärker als im 1. Satz steht in diesem dritten Satz mit der Jagdoboe das konzertierende Element im Vordergrund. Nach einem sechstaktigen Einleitungsmotiv setzen die Singstimmen homophon ein, später folgen kurze Imitationsmotive auf die Worte "es geschieht, was er verspricht".

Das zweite Rezitativ ist wiederum mit ariosem Ausgang komponiert. Doch sind die ariosen Schlusstakte dieses Mal nicht von einem eigenen Motiv geprägt, sondern nehmen die Melodie "Nun lob, mein Seel, den Herren" des Schlusschorals vorweg.

Der Schlusschoral ist der eigentliche Höhepunkt des Werkes, zu dem sich erstmals alle Instrumente vereinigen: Streicher, verstärkt durch die Oboe, der Chor, verstärkt durch eine Trompete, und Continuo.  Die Instrumente umrahmen und begleiten den Chorsatz mit eigener Thematik, die Bach geschickt mit der im Choralsatz vorgegebenen Melodie zu kombinieren versteht, so dass das Werk eine unerwartet strahlende Krönung erfährt.

So knüpft dieser Schlusschoral an den vorletzten Satz an, der ja die Christenheit auffordert, Gottes Wohltaten zu bedenken und wie Zacharias ein Loblied zu singen. Dieser fünfte und letzte Satz ist dieses Loblied, in das die ganze Christenheit einstimmt. Und das genau bringt Bach zum Ausdruck, in dem alle Musiker und Sänger an diesem letzten Satz beteiligt werden.

BWV 167: "Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe". Tölzer Knabenchor, Concentus Musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt.

Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995