25.12.2012 - 06:30

1. Weihnachtsfeiertag BWV 91: Gelobet seist du, Jesu Christ

Wie zum 1. Advent, so hat Johann Sebastian Bach auch zum heutigen 1. Weihnachtstag seiner Kantate das Lied zugrunde gelegt, das zu seiner Zeit als das Lied des Tages galt. Am 1. Advent war das das Lied „Nun komm der Heiden Heiland“, heute am Fest der Geburt des Herrn ist es das Lied „Gelobet seist du, Jesus Christ“.

Also: Die Stellung, die Lieder wie „O du fröhliche“ oder „Stille Nacht, heilige Nacht“ in den heutigen Weihnachtsgottesdiensten einnehmen, diese Stellung hatte damals das Lied „Gelobet seist du, Jesus Christ“. Und bis heute ist das Lied auch noch im katholischen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob unter den Weihnachtsliedern zu finden. Grundlage der heutigen Kantate ist also dieser Choral „Gelobet seist du, Jesus Christ“  den niemand als Martin Luther selbst getextet hat und zwar im Jahr 1524. Genau zweihundert Jahre später, 1724, hat Bach seine Kantate komponiert. Die Anfangs- und Endstrophe des siebenstrophigen Lutherliedes hat Bach dabei beibehalten, ebenso die Strophe zwei, die anderen Strophen hat er frei nachgedichtet, so dass sie als Arien bzw. Rezitative singbar wurden. Nach dem festlichen Eingangschor folgt ein Sopranrezitiativ, der 2. Satz, in dem rezitativische Abschnitte mit Choralzitaten wechseln. Die Choralmelodie wird fast unverändert übernommen, Ausnahme die Textstelle: „Itzt man in der Krippen findet“. Hier schmückt Bach die Sopranstimme festlich aus. Der 3. Satz, die Arie des Tenors, hat seinen ganz besonderen Reiz. Der Grund: Die 3 Oboen. Nicht nur, dass diese Instrumentierung ungewöhnlich ist, die Oboen setzen darüber hinaus auch noch markante rhythmische Akzente. Aller Wahrscheinlichkeit nach will Bach so den Willen Gottes, seine Initiative und Vollmacht zur Rettung der Menschen hörbar machen. Im vierten Satz ist vor allem die Textstelle „durch dieses Jammertal zu führen“ eindrucksvoll und arios ausgeschmückt mit einer überraschenden und gewagten Chromatik, also auf- und absteigenden Halbtonschritten, und dem strahlenden Schlussteil. Das Duett, der fünfte Satz, lebt ganz aus den Kontrasten des Textes: Armut – Überfluß, menschlich Wesen – der Engel Chor. Wird die Textstelle „sein menschlich Wesen“ zum Beispiel durch eine aufsteigende Chromatik dargestellt, vertont Bach den Gegenpart „den Engelsherrlichkeiten gleich“ mit Koloraturen und einer Dreiklangsmelodik: Den Abschluss der Kantate bildet dann die letzte Strophe des Liedes, die Bach mit Hörnerklang festlich ausschmückt und instrumentiert: Überhaupt: Ganz besonders und dem Hochfest entsprechend die Instrumentierung der gesamten Kantate.  Zur normalen Kantatenbesetzung kommen noch 2 Hörner und Pauken dazu, außerdem eine weitere Oboe.

BWV 91: „Gelobet seist du, Jesu Christ“

Knabenchor Hannover und Collegium Vocale Gent, Leitung: Gustav Leonhardt.

Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.