06.11.2015 - 10:00

Die Grand Tour of Switzerland Uhren, Käse, Licht und Landschaft

Zwei Wochen sollte man schon einplanen für die Grand Tour of Switzerland, es gibt halt viel zu sehen im kleinen Land der Eidgenossen. domradio hat eine Teiletappe getestet: Vom Rhein ins Jura, weiter ins Greyerzer Land und über Bern ins Emmental.

Der Weg ist das Ziel, sagt man gern, wenn man lange unterwegs ist und die Welt dabei an einem vorüber zieht und man hier und da gern mehr Zeit zum Verweilen verbracht hätte. Genau das ist der Leitfaden bei der Grand Tour of Switzerland, die in drei Tagen 420 Kilometer Wegstrecke und elf Stationen abdeckt – all das in einer guten Mischung zwischen Natur und Kultur, Stadt und Land.

Basel: viel Wasser, viel Kunst

Die Grand Tour of Switzerland beginnt am Rhein, beginnt mit einem Bummel durch Basel, Grenzstadt nach Deutschland und Frankreich mit internationalem Flair. "Deutsche waren lange Zeit die größte Einwanderungsgruppe. Die Internationalität hat sich im späten 20. Jahrhundert nochmal verstärkt, etwa durch Organisationen wie die Art Basel.", erzählt Rudolf Suter über Basel mit seinen vielen Brunnen und überhaupt viel Wasser, hier am Rhein hat die Schweiz ihren einzigen Handelshafen. Wer selbst ins Wasser will: sommertags lassen sich Schwimmer im Fluss treiben. Und Kunstinteressierte lockt das Rathaus mit seinen Wandmalereien.

Wer sich aber die Grand Tour of Switzerland vorgenommen hat, muss alsbald aufbrechen. Es geht parallel zur französischen Grenze ins Jura. Schließlich endet der erste Tag am Stadttor des mittelalterlichen Städtchens Saint Ursanne am Fluss Doubs, Benediktinermönche gründeten einst den kleinen Ort.

Saint Ursanne: lichtdurchflutet für die Uhrmacher

Von Saint Ursanne geht es tagsdrauf über Serpentinen durch den Kalk des Jura, das sogar seltene und stille Hochmoore birgt, bis nach La Chaux de Fonds. Eine Stadt wie auf einem Schachbrett gebaut, lichtdurchflutet, sie war einst im 19. Jahrhundert eine einzige Fabrik, in jedem Haus wurden Uhren gebaut. "Die Stadt ist wie eine Insel in den Berg gebaut", beschreibt es Claudine Buehler, "Richtung Licht, Richtung Licht, Richtung Licht." Das Uhrenmuseum erzählt davon und lädt zugleich auf eine Zeitreise ein. "Wir haben in der Ausstellung immer zwischen drei- und viertausend Stücke, für Kinder, für "große Kinder", sicher auch für Spezialisten."

Am Murtensee geht es dann vorbei, Ausflugsziel der Berner und keine halbe Stunde von der Schweizer Bundesstadt entfernt. Murten liegt ein wenig oberhalb des Sees und seiner Uferpromenade, wurde einst von den Zähringern gegründet, schmückt sich heute noch mit fünfzehn Türmen, vor allem von oben sollte man die schmucke Stadt bestaunen. "Das Gros sind Biberschwanzziegeln, dann die vielen Kamine. Heute ist es ein national geschütztes Objekt und innerhalb des Städtchens sind sehr, sehr strenge Bauvorschriften, die ermöglicht haben, die Bausubstanz zu erhalten.", schwingt bei Roger Ekman Stolz mit in seiner Stimme.

Je nach Sprachgrenze: Röstis sind begehrt oder verhasst

Siebzehn Kilometer entfernt liegt Fribourg. Die Kathedrale überragt die Stadt trotz der eher kleinen Türme. Innen in der gotischen Kirche findet sich im Chorgestühl eine wunderbare Szene der Schöpfungsgeschichte, die Fenster sind erst in der Jugendstilzeit entstanden.

Aber auch wegen seiner theologischen Fakultät ist Fribourg bekannt und wegen des "Röstigrabens" entlang des Flusses Sarine – oder Saane, je nach Perspektive an der Sprachengrenze. Lächelnd klärt Maria Janke auf: "Die Deutschen begehren Rösti (ein Kartoffelgericht) und die Franzosen hassen es. Auf der anderen Seite der Brücke, dort können Sie Rösti bestellen und sie werden Ihnen gerne serviert. Wenn Sie Rösti auf dieser Seite bestellen, werden die Franzosen sagen: Was ist das? Sowas kennen wir nicht."

Ein Fondue hingegen schätzen sie alle. Und so gehört zur Grand Tour of Switzerland natürlich unbedingt eine Begegnung mit dem Käsefondue. Nirgends besser passt das als im kleinen Städtchen Gruyères, Heimat des gleichnamigen Käses. Oben zu Fuße des sehenswerten Schlosses in den kleinen Restaurants wird das Fondue serviert, jeder hat hier sein eigenes spezielles Rezept. "Es gibt eigentlich unzählige Fondues, wir haben im Kanton Freiburg noch das Vacherin-Fondue, das wird ausschließlich aus Vacherin- Käse angerührt, also ohne Wein. Man kann es nicht über vierzig Grad erhitzen, sonst rinnt der Käse.", gibt Cathérine Offner einen kleinen Einblick. Und sie schaut auch dezent weg, wenn Gäste das Brot in den Caquelon werfen und "angeln", gesteht sie schmunzelnd.

Von der Käsestadt Gruyères ins UNESCO Welterbe Bern

Von der malerischen grünen Landschaft und deren Kulturgeschichte erzählt das Greyerzer Museum im nahen Bulle. Eine Erkenntnis: Es gab auch eine Zeit vor der Käse- und Schokoladenindustrie, als viele Greyerzer auswanderten. Heute ist man wieder traditionsbewusst, rundum im Kanton Fribourg wird besonders gern gesungen, zahlreiche Kirchenchöre sind im Cäcilienverband organisiert.

Schließlich am dritten Tag: Bummeln in Bern – das passt. Ein neuer moderner Bahnhof wird gerade gebaut, um all die Besucherströme zu bewältigen. Die UNESCO hat die Altstadt unter Schutz gestellt, sechs Kilometer lang erstrecken sich die „Lauben“. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Stadtzentrum immer weiter ausgebaut, die Natur hatte dabei das Sagen, erzählt Ursula Arregger. "Die Dreiteilung hat sich natürlich ergeben, weil die Aare, der Fluß rundherum, mäandert hat. Und dadurch haben wir Stadtgraben bekommen." Bern gibt sich gern anspruchsvoll mit Museum und Münster und mit dem Einsteinhaus. 1903-1905 lebte Albert Einstein in Bern, genau die Zeit, als sein Genie "explodierte".

Im Emmental fühlt sich nicht nur der Käse wohl

Und wer dann noch Appetit hat: östlich von Bern beginnt Emmental. Spätestens hier sollte man auf der Grand Tour of Switzerland eine deutliche Pause einlegen. Denn hier ist man mitten in der Schweiz angekommen, in schönster Landschaft, wo sich nicht nur der Käse wohlfühlt. "Und wir zeigen auch, wie die Löcher in den Käse kommen", verspricht Aika Aebi in der Schaukäserei. Hungrig verlässt dort niemand den Hof.

Am Ende der Grand Tour of Switzerland steht der Wunsch nach einem Nachschlag, nicht allein was den Käse angeht. All die Impressionen machen Lust darauf, sich die Stationen noch einmal anzuschauen, an den einzelnen Orten länger zu verweilen, in die Tiefe zu gehen. Der Tour in drei Tagen ist ein Appetitanreger.

(Heinz Schindler)