13.03.2016 - 20:00

Frieder Bernius´ Einspielung der Matthäuspassion überzeugt Schnörkellos, ohne Pathos

Ein perfekt austarierter Chor, ein zupackend musizierendes Orchester und insgesamt überzeugende Gesangssolisten: bei Bachs Matthäuspassion trifft Frieder Bernius genau den richtigen Ton zwischen dramatischer Wucht und religiöser Innerlichkeit.

Dem fast 70jährigen Bernius ist eine schnörkellose Einspielung ohne "Gedöns" gelungen. Ohne Gedöns, weil bei aller Wertschätzung für die historische Aufführungspraxis in den vergangenen Jahren Einspielungen auf dem Markt kamen, die das für den Gottesdienst geschriebene Werk zu sehr aus musikhistorischer Sicht interpretierten.

So gibt es Einspielungen, die fest davon ausgehen, der zweite Chor wäre deutlich kleiner besetzt gewesen als der erste oder sogar, wie zum Beispiel der englische Dirigent Andrew Parrot meint, jede Stimme im Chor wäre mit nur einem einzelnen Sänger besetzt gewesen. Dass dabei auch viel Klang verloren geht und es angesichts der Akustik in den Kirchen, für die Bach das Werk schrieb, sehr unwahrscheinlich ist, dass ein so kleines Vokalensemble die Idealvorstellung von Bach gewesen sein könnte, wurde mehrmals zugunsten eines vermeintlich möglichst transparenten Klangs vernachlässigt und etwas blutleere Aufnahmen entstanden. Insgesamt setzen die meisten Einspielungen der vergangenen 20 Jahre allerdings auf einen Doppel-Chor, der je etwa gleich stark besetzt ist.  

Das ist auch beim Stuttgarter Kammerchor der Fall, im Schnitt ist jede Stimme mit drei oder vier Sängern besetzt. Wenn der Chor das Volk darstellt, geht es angemessen aufgeregt zu, ansonsten wählt Bernius eher mittlere Tempi. Den Eingangschor und die Choräle singt der Chor transparent und klangschön, die Intonation ist perfekt. Man merkt der gesamten Einspielung an, dass Frieder Bernius mehr als 10 Jahre ausschließlich A cappella-Musik aufgeführt hat und bis heute seinen Chor perfekt sowohl klanglich als auch sprachlich zu formen weiß. An der einen oder anderen Stelle hätte der Chor vielleicht sogar etwas mehr deklamieren können, auch gestaltet Bernius die Choräle insgesamt eher zurückhaltend.

Großartig agiert das Barockorchester Stuttgart. Vor allem die Holzbläser gefallen mit ihrem farbigen Klang, die Streicher spielen intensiv, die Generalbassgruppe begleitet die zahllosen Rezitative intonationssicher und prägnant.

Der angenehm hell klingende Tenor Tilman Lichdi ist ein engagierter Evangelist, der packend die Erzählung vorantreibt. Christian Immler legt in seiner Jesus-Rolle nicht zu viel Pathos in die Stimme, was die Dialoge während des Verhörs um Beispiel eher bodenständig als abgehoben-verklärt klingen lässt. Unter den insgesamt wirklich guten Solisten ragt der englische Bassist Peter Harvey heraus. Schlank im Klang, technisch perfekt und gestalterisch überzeugend, singt er die Arien mit hoher Intensität.

Dass Bernius jeden übertriebenen Pathos in der Matthäuspassion vermeidet, ist bei einem der historischen Aufführungspraxis verpflichteten Dirigenten fast keiner Erwähnung wert. Gleichzeitig tappt er nicht in die Falle einer musealen Aufführung, der Herz und ehrliches Mitempfinden fehlt. Bach schrieb die Matthäuspassion für eine gläubige Gottesdienstgemeine, die das Leiden und Sterben von Jesus Christus nachvollziehen sollte. Auch diese Herausforderung erfüllt Bernius mit seiner CD-Neueinspielung.

Interpretatorisch musizieren vor allem das Barockorchester Stuttgart an der ein oder anderen Stelle angenehm gegen den Strich und lässt so neue Schwerpunkte und Akzente erkennen. Damit ist Bernius eine gute Interpretation gelungen, die immer wieder kleine, sinnvolle Spitzen gegen die Hörgewohnheiten setzt, ohne sich mit übertriebenen Effekten von anderen Aufnahmen absetzen zu müssen.

 

Weiteres Programm in "Musica":

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Hans-Christoph Rademann hat die Johannespassion von Heinrich Schütz mit dem Dresdner Kammerchor neu auf CD eingespielt

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