Symbolbild Zuhören
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24.03.2020 - 06:30

Morgenimpuls von Schwester Katharina Auf die Stille hören

Es ist ungewöhnlich still draußen. Keine Autos, kein Flugzeuglärm, nicht mal Kinder, die spielen. Und wenn, dann hört man ganz genau hin. Diesen Rat hat Schwester Katharina heute: Sich ans Fenster stellen und lauschen. Dabei wird man zum Hörenden.

Es ist ungewöhnlich still draußen. Hier in Olpe sind die Zufahrten zur A4 und zur A45, von denen wir Tag und Nacht den beständigen Geräuschpegel hören. Und jetzt nichts. Fast gar keine Autogeräusche mehr. Über uns ist die Einflugschneise zum Köln-Bonner Flughafen und am Vormittag und am Nachmittag und oft auch abends hört man die Flieger. Jetzt aber gar nichts. Es ist ganz still. Unterhalb unseres Mutterhauses ist ein großer Kindergarten und ein Mutter-Kind-Haus mit vielen Kindern und das Kinder und Jugend Hospiz. Viele Gruppen gehen hier ums Mutterhaus spazieren und das vergnügte Rufen und Schreien und Lachen und Erzählen der Kinder ist Musik in unseren Ohren. Aber der Kindergarten ist geschlossen, die Mütter gehen mit ihren kleinen Kindern nur noch zu zweit spazieren. Man hört sie kaum noch. Es ist erschütternd still. 

Eine große Gruppe der Musterhaus Schwestern machte in dieser Woche Exerzitien und dann ist es im Mutterhaus noch stiller als sonst. Aus Rücksichtnahme, um die Schwestern, die üben, nicht zu stören. Dann merken wir plötzlich, dass diese Stille auch etwas Erstaunliches hat. Wir hören plötzlich die Vögel munter pfeifen. Wir hören die verschiedenen Telefonmelodien im Haus. Wir hören den Ball, den ein Kind immer wieder vor das geschlossene Tor ballert. Wir hören die Melodie eines Liedes, das eine Schwester übend vor sich hin summt. Man sagt ja schon mal von Gebäuden, dass sie hellhörig sind. Hier denke ich aber, dass wir Menschen in dieser ungewöhnlichen Zeit hellhöriger werden. Die Schwestern, die Exerzitien machen, weil sie auf Gott und auf ihr eigenes Inneres hören wollen. Die Anderen, weil die lauten Außengeräusche plötzlich weg sind und sie auf sich selbst verwiesen sind. Das ist ja eigentlich eine richtig gute Chance. Machen Sie doch mal ein paar Mal am Tag das Radio, das Fernsehen aus. Stellen sich ans Fenster und lauschen Sie einfach. Sie werden merken, am Anfang denken Sie wie ich, dass es sehr still ist, aber nach und nach werden sie zu Hörenden. Auf den Wind und die Vögel.

Auf die Stimme Gottes in ihrem Inneren und auf längst Vergessenes, dass wieder zu Tage kommen will. Es ist eine spannende Sache auf die Stille zu hören. Trauen Sie sich mal!

(DR)