Zwei Frauen im Gebet versunken.
Zwei Frauen im Gebet versunken.
Schwester Katharina
Schwester Katharina

22.05.2019 - 06:00

Osterimpuls von Schwester Katharina Alles nur eine Prüfung

Schwester Katharina hat vier angehende Abiturientinnen vor ihren Deutschprüfungen begleitet. Dabei wollte sie den jungen Frauen ihre Sorgen vor den Prüfungen nehmen. Aber die besten Erfahrungen muss man einfach selber machen.

Gestern hatten wir wieder vier Abiturientinnen bei uns im Konvent San Damiano hier in Olpe, die für die mündliche Deutschprüfung heute gebüffelt und gebetet haben. Da die ersten beiden schon zehn Minuten vor 9 Uhr da waren, haben wir in der Kapelle gesessen, auf die anderen beiden gewartet und uns unterhalten. Die jungen Frauen meinten: Die schriftlichen Klausuren waren alle überhaupt nicht so wild und gut zu schaffen. Und überhaupt, was immer so ein Buhei um das ganze Abi gemacht wird, das ist doch alles nur eine Prüfung. Ich musste unwillkürlich schmunzeln, denn genau das hatte ich ihnen fast drei Wochen lang mantraartig jeden Tag, den sie bei uns waren, immer wieder gesagt. Aber wir wissen es ja selbst: Die besten Erfahrungen muss man einfach selber machen – und Erzählungen von anderen sind da immer "Ach ja, kann sein".

Und dann haben wir, als die beiden anderen auch da waren, die Pfingstsequenz zusammen gebetet die da heißt:
"Komm herab, o heil'ger Geist,
der die finstere Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,

In der Unrast schenkst Du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dringen bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig wehen,
kann im Menschen nichts bestehen,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
Heile du, wo Krankheit quält.

Wärme Du, was kalt und hart,
löse, was sie in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehen,
deines Heils Vollendung sehen
und der Freuden Ewigkeit.
Amen Halleluja.

"Wow, das kenne ich gar nicht. Das ist ja richtig aktuell", meinte die eine. Und war dann völlig baff, als wir entdeckt haben, dass diese Sequenz aus dem Jahr 1200 datiert ist. Die zweite meinte: "Das ist ja wie für mich". Und die dritte: "Jetzt bin ich doch ein bisschen beruhigt". Ja, auch so kann der Heilige Geist sein. Fremd, aber richtig aktuell, wie für mich gemacht und auch mal beruhigend.

(DR)