Statue des heiligen Martin
Statue des heiligen Martin

11.11.2019 - 06:00

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Über den heiligen Martin von Tours

Was kann ich als Einzelne, als Einzelner schon machen? Die Frage kann uns beschäftigen, wenn die Probleme um uns zu groß scheinen. Wenn wir aber die Geschichte von St. Martin hören, wissen wir vielleicht, wie wir aus Nächstenliebe handeln können.

Der junge Mann, um den es heute geht, wird in Ungarn als Sohn eines römischen Militärtribuns geboren, verbringt seine Jugend in Oberitalien und kommt dort mit dem Christentum in Berührung. Er wird Taufbewerber. Nur ziemlich widerwillig beugt er sich dem Gebot des Vaters und geht zum Militär. Mit 15 wird er Leibwache von Kaiser Konstantin in Mailand. Sein Glaube an den Gott der Christen wird stärker. Er bezeichnet sich als Soldat Christi und nicht mehr als Soldat des Kaisers, obwohl er das noch 25 Jahre lang tun muss.

Und dann tut er das, wodurch er allen bekannt wird. An einem Stadttor teilt er seinen Mantel mit einem unbekleideten Bettler. Wir wissen: Er tut es aus Nächstenliebe. Aber: Er hätte es gar nicht tun dürfen. Alles, was er nämlich besaß, Diener, Begleiter, Pferd und Ausrüstung, Waffen und Mantel, er selbst gehörte dem Kaiser. Den Mantel durchzuschneiden und ein Stück davon wegzugeben war ein Affront gegen den Kaiser und ein Vergehen, wofür man bestraft wurde.

Wir denken manchmal: Was kann ich als Einzelne, als Einzelner schon machen? Aber so einer wie Martin von Tours macht es uns schon eigentlich vor. Ich muss mir klarmachen: Wem bin ich denn hörig? Wo hängt mein Herz? Sagt mein Chef, was ich zu tun habe? Oder wo kann ich denn protestieren und Dinge anders machen?

Und wenn dann mein Protest aus Liebe ist, weil mein Nächster friert oder hungert oder auf der Flucht ist, dann kann jeder Einzelne von uns mehr als nur etwas tun: Kleidung geben, Lebensmittel nicht verschwenden, sondern teilen, gegen Unrecht angehen und Stammtischparolen widersprechen. In einem kleinen Kinder-Martins-Vers heißt es: "Heiliger Martin, hör uns zu, lass uns werden so wie Du. Lass uns alle, Groß und Klein, Helfer für die Anderen sein."

(DR)