Statue des Apostels Paulus
Statue des Apostels Paulus

25.01.2021 - 06:00

Morgenimpuls von Schwester Katharina Gott schubst uns vom hohen Pferd der kirchlichen Gewissheit

Wir kennen viele Sprichwörter, wie zum Beispiel „vom Saulus zum Paulus“. Schwester Katharina empfindet das dahinterstehende Fest des Apostels Paulus als gefährlich. Sie spielt auf die Macht Gottes an, die nicht nur damals Wirkung zeigte, sondern auch in der heutigen Zeit gegenwärtig ist.

"Na, wie ist es mit dir? Wann bist du eigentlich vom Pferd gefallen?" Hat mich vor vielen Jahrzehnten ein junger Franziskaner ganz unverblümt gefragt. Ich hatte dabei nicht die leiseste Ahnung, was er gemeint haben könnte und worauf er hinauswollte. Am Ende des Jugendwochenendes damals konnte ich zumindest ein paar dieser Sprichworte, die wir so kennen, wie "vom Blitz getroffen", "vom Pferd gefallen" oder auch „vom hohen Ross geschubst" und vor allem das: "Vom Saulus zum Paulus".

Ein sehr verehrter Bischof damals in Erfurt, Hugo Aufderbeck, hat mal gesagt: "Wenn ich damals gelebt hätte, ich wäre auch Paulus gewesen." Also quasi der, der seinen Glauben, sein Jüdischsein, sein Pharisäersein vehement verteidigt und die Christen, die seinem Glauben gefährlich wurden, bis aufs Blut verfolgt hat. Ich finde dieses Fest der Bekehrung des Apostels Paulus ein sehr gefährliches Fest. Wir feiern es brav, weil wir Gottes Macht feiern, der damals ein Verfolger zu einem seiner leidenschaftlichsten Nachfolger gemacht hat. Aber ich denke, dass die wenigsten, die das in Gottesdiensten und Gebetszeiten feiern und in Predigten loben, wirklich daran denken, dass Gott heute die gleiche Macht hat. Er kann uns heute auf die gleiche Weise so vom Pferd unserer kirchlichen Gewissheiten schubsen, dass uns Hören und Sehen vergeht und wir völlig blind sind für das, was Gott wirklich von uns will.

Ich bin mir sicher, dass alle aktuellen Probleme unseres Kircheseins von Macht und sexuellem Missbrauch durch Kleriker, vom Vertrauensverlust gegenüber Bistumsleitung, von der als mangelhaft gesehenen Seelsorge in der derzeitigen Pandemie, von der bis heute geltenden Benachteiligung von uns Frauen in der Kirche, dass in all diesen Dingen Gott sich seine Kirche erneuern wird. Er wird Leute vom hohen Ross schubsen. Er wird noch mehr mit Blindheit schlagen. Und er wird auch viele völlig neu bekehren. Damit nämlich seine Wahrheit verkündet wird vor aller Welt und die Menschen von der Finsternis des Unglaubens und Aberglaubens zum wahren Licht der Welt geführt werden.

(DR)