Ein Klopfen an der inneren Tür
Symbolbild: Eine geschlossene Kirchentür

15.01.2021 - 06:00

Morgenimpuls von Schwester Katharina Über unsere Lippen komme kein böses Wort, nur ein gutes!

Bei der heutigen Lesung ist Schwester Katharina eine Begegnung mit einem älteren Herren wieder eingefallen. Der war sehr verärgert über abgesagte Gottesdienste. Die Worte aus dem Epheserbrief sollten bei allem Ärger eine gute Mahnung für uns alle sein.

Hier bei uns in unserer Pfarrkirche sind seit den Tagen vor Weihnachten nur Werktagsgottesdienste und keinerlei Gottesdienste am Wochenende. Der Gesamtpfarrgemeinderat hatte das zwei Tage vor dem Fest beschlossen, in der Sorge, dass selbst die sorgfältigsten Hygienekonzepte an den Weihnachtstagen vielleicht nicht reichen würden.

Man hatte Angst, dass Menschen noch in die Kirche drängen, die sich nicht angemeldet haben und davor, sie wegschicken zu müssen, was ich sehr gut verstehen kann.

Vor ein paar Tagen hat mich jetzt ein sehr rüstiger, alter Herr gefragt, ob ich denn wüsste, wann endlich wieder Sonntagsgottesdienste sind. Und er hat mir entrüstet erzählt, dass überall ringsum Gottesdienste seien, nur hier nicht, und begann zu schimpfen auf die, die das entschieden haben. Wir haben dann noch lange auf der Straße gestanden und ich habe mit ihm darüber gesprochen, dass es in dieser Situation der Pandemie für niemanden leicht ist, die Verantwortung zu übernehmen und solche Entscheidungen zu treffen. Und ich habe ihn gebeten, sich trotzdem mit der Situation anzufreunden, weil es doch um Leben und Gesundheit der Mitmenschen geht. "Hhmm, haben Sie auch wieder recht," hat er dann sehr viel freundlicher vor sich hin gebrummelt, seinen Hut gelupft und sich verabschiedet. Entrüstet und wütend und traurig sein und Entscheidungen nicht zu verstehen ist das eine, aber darauf zu achten, dass es nicht in Stammtischmanier immer mehr aufgeladen wird und zu Hass und Hetze wird, ist die andere Verantwortung und die trägt jede und jeder von uns.

In der heutigen Lesung aus dem Epheserbrief steht eine sehr konkrete Anweisung. Da heißt es: "Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte!"

Denken wir bei allem Diskutieren und Besprechen und Meinungsaustauschen heute vielleicht immer mal an diese Mahnung: Über unsere Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt.

(DR)