20.12.2009 - 21:44

Gefängnisseelsorgerin Eva Schaaf

"Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht". Diese Passage aus dem Matthäusevangelium hat Pfarrerin Eva Schaaf sich zur Lebensaufgabe gemacht: Seit 16 Jahren arbeitet sie als Seelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf, dem größten Gefängnis Nordrhein-Westfalens. Seit 16 Jahren feiert sie Gottesdienste mit den Inhaftierten, setzt sich mit Gruppen zusammen und bietet Unter-Vier-Augen-Gespräche an.

Für viele ist sie die einzige Vertrauensperson „da drinnen", ihr Büro so etwas wie eine Oase in der tristen Umgebung kahler Gefängnisgänge. Im Laufe der Jahre hat sie schlimme Schicksale aus nächster Nähe miterlebt, war permanent mit Schuld, Wut und Aussichtslosigkeit konfrontiert. Aber Eva Schaaf sagt, sie liebt ihren Beruf. Aufgewachsen am Niederrhein hat sie früh ihr Interesse an religiösen und sozialen Themen entdeckt. Theologie hat sie studiert, weil sie Pfarrerin werden wollte. Pfarrerin wollte sie werden, weil sie hoffte, so im Namen des christlichen Glaubens Menschen zusammenzubringen. Fasziniert von der Theologie der Befreiung arbeitete sie eine Zeit lang in Chile in Projekten von Ordenschwestern mit, während ihres Vikariats war sie mehrere Monate beim Catholic Worker Movement in New York aktiv. Die Wut über soziale Ungerechtigkeit hat Eva Schaaf mit zurück nach Europa gebracht. In domradio „Menschen" erzählt sie von ihrer Arbeit hinter Gittern und davon, wie das Leben dort gerade jetzt vor Weihnachten aussieht. Sie sagt uns, woher sie die Kraft schöpft, um den Inhaftierten Halt zu bieten und sie berichtete von ihren Erfahrungen beim Weltklimagipfel in Kopenhagen.