"Oh Jesu Domine"
"Oh Jesu Domine"
Msgr. Gerhard Dane
Msgr. Gerhard Dane

23.02.2013 - 06:00

Fastenimpuls mit Pfarrer Gerhard Dane Samstag, 23. Februar 2013

In den gut sechs Wochen der Fastenzeit betet Pfarrer Msgr. Gerhard Dane mit Ihnen an jedem Morgen um 6 Uhr die tägliche Laudes. Die Fastenimpulse können auch hier online gelesen und angehört werden.

 

Heiliges Evangelium nach Matthäus 5,43-48

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Auslegung von Pfarrer Gerhard Dane:

Hand aufs Herz, haben Sie nicht eben gedacht 'kann ich nicht'. Die Feinde lieben, Jesus, also das ist doch ein bisschen sehr viel verlangt und dann fiel Ihnen vielleicht der Ärger ein von gestern oder vorige Woche - bei Licht besehen war es ja eigentlich nicht so schlimm - aber es hat Sie geärgert und es geht auch nicht weg, die Wut auf diese... Ich spreche hier bewusst nicht weiter, weil jedem von Ihnen jetzt Zeitgenossen einfallen die Ihnen so richtig auf die Nerven gehen oder durch ihr Verhalten sogar auf den Magen schlagen, immer wieder wenn Sie die sehen - und die Lieben, Jesus, dass ist ein bisschen viel verlangt. Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, ich glaub an dieser Stelle müssen zwei Dinge geklärt werden: 1. was heißt für Jesus hier 'lieben'? Bei 'lieben' denken wir sofort an um den Hals fallen, küssen, abknutschen, es gibt Menschen die möchten das auch garnicht. Lieben heißt erstmal 'Leben lassen', sagen 'gut das es dich gibt, du bist anders als ich, manchmal sehr anstrengend aber Gott wollte dich, einverstanden. Ich nehm dir nicht das Leben, ich lasse dir dein Leben das nicht meines ist. Ich lasse dich DU sein'. Das ist erstmal Lieben in diesem Zusammenhang. Sie werden jetzt vielleicht sagen: ja, aber das fällt mir bei der Frau Sowieso oder bei dem Herrn Sowieso oder bei dem Mitglied unserer Familie aber so schwer, dass kann ich nicht. Was der mir angetan hat, wenn ich Ihnen das mal erzähle... Sie merken an meinem Tonfall das ich das als Seelsorger immer wieder einmal höre, in diesem oder ähnlichen Zusammenhängen. Der entscheidende Satz ist für mich an diesem Evangelium der Letzte 'ihr sollt vollkommen sein wie es auch euer Vater ist'.

Die Kraft, die anderen Sein zu lassen wie sie sind kriegen wir nicht aus uns. 'Schaut euch Gott an' sagt Jesus seinen Hörern damals und uns heute, 'er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und regnen, damit was wachsen kann, lässt er über Gerechte und Ungerechte'. Seine Zuneigung zu uns ist unbedingt, ist bedingungslos und wenn ihr wirklich seine Söhne und Töchter werden wollt dann versucht euch das von ihm abzugucken. Das geht aber nur meine Lieben, davon bin ich fest überzeugt, wenn ihrs mir erstmal selber schenken lasse. Wenn ich mich über mich ärgere wie soll ich dann über die Mitmenschen mich  nicht ärgern. Wenn ich mir von Gott aber sagen lasse 'du, du hast deine Macke, ich kenn die noch besser als du, du hast auch Fehler gemacht, weiß ich, ich kenne dich wie du bist aber ich liebe dich und die Sonne, der Regen, alles was meine Schöpfung Gutes gibt ist für dich, obwohl ich dich genau kenne. Ich liebe dich so wie du bist'. Erst wer sich das wirklich schenken lässt, wer nicht mehr sagt 'ja, aber...', wer sich die Vergebung und Zuneigung Gottes ins Herz gießen lässt der darf hoffen, dass sich dabei das eigene Herz verwandelt gegenüber den andern, die uns das Leben schwermachen.